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Programmieren lernen

Fit für die Zukunft: Lesen, Schreiben, Rechnen - und Programmieren! Die besten Coding-Lernprogramme für Kinder und Jugendliche

von Charlotte Clarke, 20. Januar 2020 15:19
Könnte Coding bald zu einer Fähigkeit werden, die quasi vorausgesetzt wird, um sich in einer digitalen Welt zurecht zu finden? Auch wenn diese Vorhersage vermutlich zu weit geht - dennoch können Programmier-Skills für junge Menschen ein echter Vorteil in der künftigen Berufswelt sein. Mit kindgerechten Lernmethoden können selbst schon die Kleinsten an Programmiersprachen herangeführt werden. Und es soll vor allem eines - Spaß machen!

Programmieren ist nur was für Nerds? Das mag in den 90ern vielleicht noch so gewesen sein. Heutzutage ist Coding total angesagt! Dabei geht es nicht nur um die Aneignung von Kompetenzen, die im späteren Berufsleben höchstwahrscheinlich sehr gefragt sein werden. Natürlich werden in unserer digitalisierten Zukunft immer mehr Berufe im IT-Sektor entstehen, aber nicht jedes Kind muss - und soll - gleich Programmierer*in werden. Dennoch lohnt sich für alle jungen Menschen die Beschäftigung mit diesem Thema, denn durch Coding werden auch Fähigkeiten wie analytisches Denken, Problemlösefähigkeit und Frustrationstoleranz gefördert - Soft Skills, die neben den eigentlichen Kenntnissen im (Berufs-)Leben - weit über die IT-Branche hinaus - äußerst hilfreich sind. Ganz abgesehen von den schier unendlichen Möglichkeiten, seiner Kreativität freien Lauf zu lassen und die erlernten Fähigkeiten mit verschiedensten anderen Bereichen (z.B. Kunst, Musik) zu kombinieren.

Haben junge Menschen darüber hinaus erst einmal verstanden, wie digitale Technologien und deren Algorithmen grundsätzlich funktionieren, verändert sich automatisch ihr Verhältnis zu ihnen - sie werden von rein passiven Anwender*innen von Apps, Social Media und Co zu mündigen Nutzer*innen, die in der Lage sind, diese auch kritisch zu hinterfragen und im besten Falle aktiv mitzugestalten. Derartige Medienkompetenz trägt zusätzlich dazu bei, dass sich Kinder und Jugendliche viel besser vor den Risiken der Digitalisierung (wie etwa Cyberkriminalität, Fake News, Beeinflussung durch Werbung etc.) gewappnet sind und sich kompetenter in der Digitalen Welt bewegen können.

Im Folgenden haben wir eine bunte Vielfalt an kindgerechten Online-Lernprogrammen und Kursen für verschiedenen Altersgruppen zusammengestellt, mit denen Programmieren spielerisch vermittelt wird und richtig Spaß machen kann!

Open Source Lernprogramme


Bunte Vielfalt:
Scratch

Ein beliebter Klassiker unter den Lernprogrammen, der von der Lifelong-Kindergarten-Group am Media-Lab des MIT in Boston entwickelt wurde und mittlerweile in 40 Sprachen verfügbar ist. Scratch richtet sich hauptsächlich an die Altersgruppe 8-16 Jahre, wird aber quer durch alle Altersgruppen benutzt. Es handelt sich hierbei um eine grafische Programmiersprache, d.h. der Code muss nicht ausgeschrieben werden, sondern wird im Baukasten-Prinzip aus vordefinierten Blöcken zusammengesetzt - auf diese Weise werden frustrierende Syntaxfehler vermieden. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt: Möglich ist die Programmierung von verschiedenen Animation, Grafiken und Klängen, die anschließend mit der Scratch-Community geteilt werden können.

Eigene Fantasiewelten gestalten: Alice (Englisch)

Mit Alice können Kinder und Jugendliche aller Altersgruppen anhand einer objektorientierten Programmiersprachen ihre eigenen Held*innen-Geschichten zum Leben erwecken: Auf einer virtuellen 3D-Oberfläche, die grafisch einem Computerspiel nachempfunden ist, können verschiedene Landschaften, Charaktere und Elemente zu einem Handlungsstrang kombiniert werden, die am Ende eine animierte Geschichte oder ein einfaches Computerspiel ergeben. Bislang ist Alice nur auf Englisch verfügbar.

Lernen mit Robotern: Open Roberta Lab

Auf der grafischen Programmierplattform des Fraunhofer IAIS können mittels Baukastenprinzip auch Anfänger*innen komplexe Programme erstellen. Das Besondere: Auf der Plattform kann man sich seinen Lieblings-Roboter (z.B. der »LEGO MINDSTORMS Ev3« oder der humanoide »NAO«) oder einen Mikrocontroller aussuchen und anschließend mit dem selbst kreierten Programm zum Leben erwecken. Und wenn man keinen echten Roboter besitzt, kann die Software mit Hilfe einer Simulation getestet werden.

Foto: © Fraunhofer IAIS
Foto: © Fraunhofer IAIS

Let’s have a Party: Code.org

Dieses internationale und von u.a. Amazon, Facebook, Google und Microsoft unterstützte Projekt zeigt besonders gut, wie verdammt cool und kreativ Programmieren sein kann. So können Kinder und Jugendliche aus verschiedensten Projekten wählen, darunter z.B. die »Tanzparty«, bei der eine Tanzchoreografie zur Musik angesagter Pop- und Rapkünstler*innen erstellt wird. Es können darüber hinaus z.B. auch Spiele und Quizze mit Filmfiguren aus u.a. »Star Wars« oder »Frozen« kreiert werden. Außerdem werden für alle Altersklassen (ab 4 Jahren) 20-Stunden Tutorials angeboten, um Schüler*innen in die Grundlagen der Informatik einzuführen.

Im Reich der Krabbeltierchen: AntMe!

Das Prinzip von AntMe!: Kinder sollen schon nach kürzester Zeit Lernerfolge sehen können, indem sie ein digitales Ameisenvolk zum Leben erwecken, welches verschiedene Aufgaben meistern muss, z.B. Futter sammeln oder den Ameisenbau verteidigen. Das Programm richtet sich dabei auch ausdrücklich (aber nicht ausschließlich) auch an Mädchen. Die Software basiert dabei auf den in der IT-Branche gängigen Programmiersprachen C# und Visual Basic, so dass das Gelernte leicht auf andere (reale) Anwendungen übertragen werden kann. 

Folge dem Monster: Chrunchzilla (Englisch)

Dieses sehr simple und intuitive Programm eignet sich gut für die ersten Schritte in die Programmiersprache Javascript. Dabei wird auf eine komplizierte theoretische Einführung verzichtet, stattdessen spielt man direkt mit dem Code herum und sieht sofort die Ergebnisse, z.B. indem Formen hin und her bewegt oder verändert werden. Der Code wird schrittweise immer komplexer. Das Tool ist zwar nur auf Englisch erhältlich, der Sprachstil ist aber sehr einfach und gut verständlich. Für verschiedene Altersklassen sind unterschiedliche Schwierigkeitsstufen erhältlich - übrigens auch für Erwachsene!

Auf Abenteuerreise: CodeCombat

Hier gehen die Spieler*innen mit ihrer*ihrem virtuellen Held*in auf eine Reise durch verschiedene Level einer 2D-Fantasiewelt und meistern vielfältige Aufgaben, indem sie die Programmiersprachen Javascript und Python anwenden. CodeCombat wird durch eine große freiwillige Community stetig erweitert und mittlerweile in über 40 Sprachen übersetzt. Auch für Lehrer*innen bietet CodeCombat viele hilfreiche Materialien und Tools. 

Für Apple-Fans: Swift Playgrounds

Bei diesem Tool dreht sich alles um die von der Firma Apple verwendete Programmiersprache Swift. Es eignet sich auch für Anfänger*innen ohne Programmierkenntnisse, ist vom Schwierigkeitsgrad aber eher etwas für Jugendliche. Im Zuge des Spiels navigiert man Charaktere durch verschiedene bunte 3D-Levels, wo Rätsel und Aufgaben gelöst werden müssen. Die Codes können jedoch auch für die Steuerung von analogen Drohnen und Robotern (wie z.B. der »LEGO MINDSTORMS«-Serie) verwendet werden. Swift Playgrounds funktioniert (naheliegenderweise) nur auf Apple-Geräten.

Für Android-Fans: MIT App Inventor (Englisch)

Mit dem App-Inventor des MIT in Boston können auch Anfänger*innen und junge Menschen funktionstüchtige Apps für Smartphones und Tablets (Betriebssystem Android) erstellen. Die Spieloberfläche ist sehr simpel gehalten, dabei werden verschiedene Funktionen mit grafischen Bausteinen zusammengestellt. Es stehen unterschiedlichste App-Tutorials für alle Schwierigkeitsstufen zur Verfügung.

Gemeinsam lernen: Programmier-Clubs, Kurse und Workshops


Für Ninjas:
CoderDojo

Die CoderDojos wurden von einem gemeinnützigen Verein gestartet und finden mittlerweile auf der ganzen Welt statt, meist an öffentlichen Orten wie Gemeindezentren oder Büchereien. Ziel ist es, Kindern und Jugendlichen eine kostenlose Möglichkeit zu bieten, sich Programmierfähigkeiten anzueignen. Unterstützt werden die Teilnehmenden (genannt »Ninjas«) von ehrenamtlichen Mentor*innen. Regelmäßig werden von CoderDojo auch große Events organisiert, bei denen junge Menschen ihre kreativen Ideen der Community präsentieren können.

Nicht nur vor dem Bildschirm: codiviti

Die Angebote von codiviti richten sich an Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 14 Jahren. Die Lernmethoden zeichnen sich durch ihre Vielseitigkeit aus: Statt ausschließlich vor dem Bildschirm zu sitzen, wird das Konzept einer Programmiersprache auch mittels Papier, Farben, Elektrotechnik und Rollenspielen erlebbar gemacht. Zusätzlich gibt es spezielle Events für Mädchen sowie Workshops, in denen Mutter und Tochter gemeinsam lernen. Offene Tagesworkshops finden meist im Rheinland (Köln und Düsseldorf) statt, jedoch können auch Grundschulen fortlaufende Kurse für ihre Schüler*innen oder Lehrerfortbildungen buchen. 

Eigene PC-Spiele programmieren: Code it!

In Leipzig finden an verschiedenen Terminen zwei- bis viertägige Programmierworkshops für Kinder von 9 bis 12 Jahren statt. Hier lernen die Teilnehmenden, wie sie einfache Spiele und Animationen erstellen können. Vorkenntnisse sind in aller Regel nicht notwendig.

Eintauchen in Bits und Bytes: Hacker School

Die Wochenendkurse der Hacker School finden an verschiedenen Standorten in Deutschland statt und richten sich an junge Menschen zwischen 11 und 18 Jahren. Unter fachmännischer Anleitung programmieren die Teilnehmenden ihre eigene Spiele, Websites oder Apps. Darüber hinaus werden mit der »GIRLS Hacker School« auch Events speziell für Mädchen organisiert.

Lernreise durch die digitale Welt: HABA Digitalwerkstatt

Mit der HABA Digitalwerkstatt können Kinder zwischen 5 und 12 Jahren z.B. Roboter bauen, Spiele programmieren, Animationsfilme drehen oder ihre eigene Kunst und Musik gestalten. Dabei steht nicht nur das Programmieren im Vordergrund, sondern auch die Vermittlung eines ganzheitlichen Technologieverständnisses, umfassende Medienbildung und Skills wie Problemlösekompetenzen. Die Kurse (sowohl fortlaufende Kurse als auch einmalige Workshops) werden derzeit in 8 Städten bundesweit angeboten. 

Für Weltverbesser*innen: Jugend hackt

Bei den sog. »Hackathons« (verschiedene Orte in ganz Deutschland und der Schweiz) von Jugend hackt arbeiten junge Menschen zwischen 12 und 18 Jahren in Kleingruppen an Projekten, die sie sich zuvor selbst gemeinsam ausdenken. Das notwendige Wissen eignen sie sich dabei größtenteils eigenständig an, werden bei Bedarf aber natürlich von Mentor*innen unterstützt. Die Events stehen dabei stets unter einem bestimmten Thema und sollen zeigen, wie durch digitale Technologien reale gesellschaftliche Herausforderungen angegangen werden können. Am Ende werden die Ergebnisse vor großem Publikum präsentiert. Organisiert werden auch spezielle Events junge Menschen, die ihre Identität als weiblich oder nicht-binär definieren.

Girls Only: Technovation Girls Germany

Dieser von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung ausgerichtete Wettbewerb richtet sich an Mädchen zwischen 10 und 18 Jahren. Ziel des Wettbewerbs ist es, dass die Mädchen sich als Unternehmer*innen und Zukunftsgestalter*innen wahrnehmen. Dafür realisieren sie eine eigene App, die zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen beiträgt. Dabei eignen sie sich das nötige technische Know-how größtenteils selbst an, werden aber zusätzlich von Mentor*innen aus Unternehmen sowie Lehrer*innen ihrer Schule begleitet. Mit Hilfe eines Online-Kursplans, der Inspiration, Arbeitsmaterialien und Videos bereitstellt, durchlaufen die Teams in mindestens zwölf Wochen den Prozess von der Ideenfindung bis zur Entwicklung eines fertigen App-Prototypen. Derzeit findet das Bildungsprogramm in München und Hamburg statt. 

Ferienlager 4.0: Coding Camps

Eine Woche, 5 Workshops: Junior Lab Berlin
In den Oster- und Herbstferien haben Kinder zwischen 8 und 14 Jahren im Junior Lab Berlin die Gelegenheit, sich an 5 Tagen intensiv mit verschiedensten digitalen Technologien zu beschäftigen. Außerdem wird gelötet, geschraubt und gebastelt. Die Workshops drehen sich z.B. um Superhelden-Roboter, das Komponieren von Liedern auf selbstgebauten Instrumenten, smarte Klamotten oder selbst programmierte Spiele. Das Programm richtet sich an Einsteiger*innen sowie an Kinder, die schon ein wenig Vorwissen haben.

Praktische Anwendung: Hardware

Für Roboter-Fans: LEGO MINDSTORMS und fischertechnik ROBOTICS

Auf viele Kinder üben Roboter eine starke Faszination aus: Warum sollte man das nicht  nutzen, um sie auch für das Programmieren zu begeistern? Die beiden Hersteller LEGO und fischertechnik bieten Sets zum Bau von Robotern inklusive Motoren und Sensoren an, die anschließend mit Hilfe einer mitgelieferten Software für die Ausführung verschiedener Bewegungen programmiert werden können. So lernt der selbstgebaute Roboter laufen, greifen und weitere Aktionen. Smartphone oder Tablet dienen dabei zur Fernsteuerung. Zwar ist die Hardware nicht gerade günstig, aber von den coolen Robotern düften die Kleinen wohl äußerst begeistert sein.

Noch mehr Roboter: Robo Wunderkind

Mit diesen Baukästen sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt - von der Taschenlampe bis hin zum steuerbaren Roboter auf Rollen, der verschiedene Emotionen zeigt oder Hindernisse selbst erkennt, ist alles möglich. Kinder ab 5 Jahren können mit Hilfe von zwei kostenlosen Apps ihre Roboter programmieren und steuern. Es stehen verschiedene Sets zur Auswahl. Kosten etwa zwischen 150 und 250 Euro.

Foto: © Robo Technologies GmbH
Foto: Robo Technologies GmbH

Bauklötze mal anders: Osmo Coding 

Bei diesem Spiel (für Kinder von 5 bis 12 Jahren) wird das Tablet (iPad oder Fire) mit analogen Spielsteinen kombiniert. So lernen die Kinder auch durch haptische Erfahrungen. Auf die Kamera des Tablets wird ein kleiner Reflektor gesteckt, mit dem das Gerät die bunten Spielsteine erkennt, die auf dem Tisch liegen und zum Ausführen verschiedener Befehle zusammen gesteckt werden. Aufgabe des Spiels ist es »Awbie«, ein verspieltes Monster, dabei zu helfen, seine heiß geliebten Erdbeeren zu sammeln. Zusammen mit der Hardware kostet das Spiel etwa 100 Euro.

Du kennst ein weiteres Angebot für Kinder, welches mit auf die Liste sollte? Dann freuen wir uns über eine Mail an team@cologne.io.


Nicht nur junge Menschen, sondern auch Mitarbeiter*innen können oft noch so einiges Lernen: Das Startup »SoSafe« verschickt simulierte Pishing-Mails und trainiert so die Cyber Security Awareness im Unternehmen.


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