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E-Health

Die Zukunft der Medizin ist digital: Kölner Startup »Healex« beschleunigt klinische Studien durch smarte Kollaborationsplattform

von Charlotte Clarke, 10. Februar 2020 07:01
Patientendaten sind der wertvolle Rohstoff, auf denen klinische Studien basieren. Doch die Nutzung und der gegenseitige Austausch ist bislang aufgrund unpassender IT-Infrastrukturen extrem mühsam. Die Plattform des E-Health-Startups »Healex« macht große Datenmengen beherrschbar, ermöglicht die standortübergreifende Kollaboration und beschleunigt somit die Durchführung klinischer Studien. Wie solche digitalen Lösungen z.B. personalisierte Therapien flächendeckend verfügbar machen könnten, erzählt Christoph Plamper, Head of Marketing, im Interview.

Mit eurem Startup Healex wollt ihr die Kollaboration im Gesundheitswesen fördern. Welche Herausforderungen bestehen aktuell im Wissensaustausch innerhalb und zwischen klinischer Forschung und Versorgung? Wo finden sich kritische Informationsengpässe? 

Christoph Plamper: Die stark fragmentierte IT-Landschaft in Krankenhäusern und Forschungsnetzwerken erschwert die Echtzeit-Integration und -Nutzung von klinischen Daten. Die IT-Landschaft in Krankenhäusern ist überwiegend auf die Abrechnung der Fälle ausgerichtet und zu wenig auf nutzbare klinische Daten für Forschung und Therapien. Das heißt, dass Daten oftmals zwar vorliegen, aber häufig nur vor Ort in einem Silo, nicht digitalisiert, nicht teilbar und nur ganz schwer nutzbar. Dadurch geht viel Zeit für die Planung und Koordination verloren – Zeit, die für bessere Therapien und gemeinsame Forschung verwendet werden könnte.

Wie sehen eure Lösungen zur Verbesserung des Informationsmanagements aus? Welche Zielgruppen stellen die Anwender*innen dar und welche Prozesse können mit Healex effizienter gestaltet werden? 

Christoph: Wir entwickeln Softwarelösungen für klinische Studien, zur Therapieberatung in der Patientenversorgung und für die reibungslose Integration von klinischen Daten. Unsere Zielgruppen sind überwiegend große Unikliniken und Forschungsnetzwerke, aber auch viele Krankenhäuser, Pharmaunternehmen und Krankenversicherungen.

Das »Healex Site Management System« (SMS) bringt Sponsor*innen, Forscher*innen und Prüfärzt*innen auf einer innovativen Plattform zusammen und ermöglicht die standortübergreifende Planung, Durchführung und Kollaboration in klinischen Studien. Damit werden klinische Studien deutlich beschleunigt und digital verwaltet.

Durch die Unterstützung von internationalen Medizindaten-Standards wie »FHIR« und dem »Healex Clinical Hub«, eine FHIR-basierte Plattform für strukturierte klinische Daten, lassen sich das »Healex Site Management System« (SMS) und unsere anderen Lösungen nahtlos in bestehende Krankenhaussysteme und Forschungs-Infrastrukturen einbinden und ermöglichen die einfache Integration und Nutzung strukturierter klinischer Daten für die Forschung und Versorgung.

Individualisierte Medizin, d.h. eine auf die*den Patient*in maßgeschneiderte Therapie, kann z.B. bei Krebserkrankungen die Heilungschancen signifikant erhöhen, ist jedoch bislang in aller Regel sehr teuer. Können smarte Datenmanagement-Systeme wie Healex dazu beitragen, dass derartige Therapien künftig günstiger werden und somit mehr Menschen zur Verfügung stehen? Welche weiteren Faktoren spielen eine Rolle, um diese vielversprechenden Ansätze flächendeckender nutzen zu können?

Christoph: Ja, Healex trägt aktiv dazu bei, dass personalisierte Therapien durch klinische Studien schneller entwickelt werden können und somit langfristig kostengünstiger werden.

Wir bringen Sponsor*innen aus der Pharma, Klinika, Forschungsnetzwerke, Forscher*innen und Prüfärzt*innen auf unseren Plattformen zusammen und stellen starke Kollaborationswerkzeuge und Lösungen für die Strukturierung klinischer Daten bereit.

Beides sorgt dafür, dass personalisierte Therapien schneller, datengetriebener und somit langfristig kostengünstiger entwickelt werden können.

Persönliche Patient*innen-Informationen gehören zu den besonders sensiblen Daten und stellen hohe Anforderungen an wirkungsvolle Datenschutzmaßnahmen. Wie geht ihr mit diesem Thema um? 

Christoph: Datenschutz hat bei uns höchste Priorität. In klinischen Studien ist gesetzlich streng geregelt, wer welche Daten sehen und teilen darf. Wir haben daher u.a. ein strenges Rechte- und Rollenmanagement für alle Teilnehmer*innen an einer Studie, wie z.B. Prüfärzt*innen und Forscher*innen, implementiert. Daten werden zudem verschlüsselt gespeichert.

Auch müssen klinische Daten für die Forschung pseudonymisiert und entpersonalisiert werden. Das bedeutet, dass einzelne Probandendaten in Studien nicht persönlich einer Person zuzuordnen sein dürfen. Auch dürfen in veröffentlichten Ergebnissen keinerlei patientenbezogene Daten erhalten sein. Nur so lässt sich sichere datengetriebene Forschung durchführen.

Es ist enorm wichtig, dass Datenschutz und Datensicherheit in klinischen Systemen, Forschungslandschaften und in Anbindungen an die elektronische Patientenakte von Anfang an berücksichtigt werden. Daher lohnt es sich, erfahrene Partner wie Healex mit ins Boot zu holen, die die Anforderungen, Forschungsprozesse und IT-Landschaften aus eigener Erfahrung genau kennen.

Wie ist die Idee zur Gründung von Healex entstanden und mit welche Mission treibt euch an, dieses Projekt in die Tat umzusetzen?

Christoph: Healex kommt ursprünglich aus dem Zentrum für Klinische Studien an der Uniklinik Köln. Die Idee zu Healex geht bereits einige Jahre zurück. Damals war die klinische Forschung ganz wenig vernetzt und die Planung und Steuerung klinischer Studien über viele Standorte extrem aufwändig und langsam. Wir hatten die Idee zu einer vernetzten, datengetriebenen Studienplattform, um die steigende Anzahl an klinischen Studien und Forschungskooperationen beherrschbar zu machen und die Forschung zu beschleunigen. Wir haben schnell viele der größten Forschungsnetzwerke gewinnen und viele große Studien erfolgreich über unsere Plattformen umsetzen können.

Wir glauben, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, um unsere Lösungen auch für einen breiten Markt anbieten zu können. Mit unserer FHIR-Plattform für strukturierte klinische Daten haben wir beispielsweise alle Bausteine, mit denen die kommende elektronische Patientenakte mit strukturierten klinischen Daten befüllt und überhaupt erst wirklich nutzbar gemacht werden kann.

Wer steht hinter Healex? Aus welcher fachlicher Expertise setzt sich eurer Kernteam zusammen?

Christoph: Hinter Healex stehen Stefan Wiesner, unser Geschäftsführer und Gustav Vella, unser Chief Product Owner. Beide besitzen langjährige Management- und IT-Erfahrung in verschiedenen Bereichen, sowohl auf der klinischen Seite, in großen Konzernen und aus eigenen Gründungen. Dazu kommen rund 18 weitere Mitarbeiter*innen, überwiegend Entwickler*innen, Produktmanager*innen und Projektmanager*innen.

Welche Methoden nutzt ihr bei der Entwicklung eurer Softwarelösungen und mit welchen Kooperationspartner*innen arbeitet ihr z.B. für Praxistests zusammen?

Christoph: Wir sind 100% agil und arbeiten überwiegend nach Scrum und in zwei-wöchentlichen Sprints. Praxistests machen wir inhouse und zusammen mit der IT unserer Kund*innen.

Was war bislang die größte Herausforderung beim Aufbau eures Business und wie seid ihr dieser begegnet?

Christoph: Unsere größte Herausforderung war einfach der extrem schnelle operative Aufbau der Unternehmensstrukturen, nachdem wir Healex gegründet haben. Dabei hat uns geholfen, dass wir das nicht zum ersten Mal gemacht haben und daher extrem strukturiert vorgehen konnten.

Was sind eure nächsten Schritte? In welche Richtung möchtet ihr euer Startup in Zukunft weiter entwickeln?

Christoph: Wir wollen Healex als führenden Lösungsanbieter und Lieferanten für FHIR-Infrastrukturen, klinische Studien und klinische Daten etablieren und ausbauen. Wir wollen führend im Umgang mit strukturierten Patientendaten und die beste Lösung für das Studienmanagement sein. Dazu werden wir noch in diesem Jahr mehrere Produktupdates für unser »Healex Site Management System« (SMS) und unsere FHIR-Infrastrukturen vorstellen.

Zuletzt wollen wir weiterhin stark wachsen. Wir suchen stets nach herausragenden Entwickler*innen in fast allen Feldern: Frontend, Backend, Full-Stack, Sicherheit, gerne mit Erfahrung in .Net, C#, PHP und Webentwicklung.

Du möchtest mehr erfahren? Hier geht es zur Website von Healex.
Lust, Teil des E-Health-Teams zu werden? Die aktuellen Stellenangebote findest du auf der Healex-Karriereseite.

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