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Interview mit Carsten Molderings von KLUGO

Digitale Rechtsberatung: Auf der Plattform KLUGO werden juristische Fragen schnell, einfach und transparent geklärt

von Charlotte Clarke, 2. Oktober 2019 07:30
Keine Angst vor’m Anwalt! Treten rechtliche Fragestellungen auf, scheuen viele aus Unsicherheit bezüglich der Kosten den Gang zum Anwalt. Diese Hürde möchte das LegalTech-Startup KLUGO beseitigen. Auch für Kanzleien ergeben sich durch die Digitalisierung neue Potenziale, aber auch Herausforderungen. Wie sich die Anforderungen der Kund*innen im Bereich der Rechtsberatung verändern und worauf sich moderne Kanzleien einstellen sollten, verrät Carsten Molderings, Head of Marketing bei KLUGO im Interview.

Mit eurem Online-Portal KLUGO möchtet ihr die Rechtsberatung digitalisieren und für Rechtsuchende so einfach wie möglich gestalten. Wie genau läuft eine Rechtsberatung bei KLUGO ab? 

Carsten Molderings: Wir von KLUGO haben es uns zur Aufgabe gemacht, jegliche Hürden im Umgang mit Rechtsangelegenheiten zu nehmen. Auf unserer Online-Plattform ermöglichen wir jedem und jeder den Zugang zum Recht – einfach, schnell und jederzeit.

Wir wollen unseren Kund*innen vor allem die zeitaufwändige und nervenaufreibende Suche ersparen – gerade in komplexen Rechtsangelegenheiten wissen Ratsuchende häufig nicht, an wen sie sich wenden sollen und sind schnell mit der Situation – vor allem auch emotional – überfordert. Auf unserer Online-Plattform kann jede*r, jederzeit einfach, schnell & unkompliziert sein Anliegen/Rechtsfall schildern und im Anschluss direkt (über unser Formular) einen Termin für eine telefonische Erstberatung in Anspruch nehmen. Die Erstberatung erfolgt von erfahrenen und top qualifizierten Anwält*innen. Rechtsuchende können sich direkt zum passenden Anwalt durchstellen lassen oder einen Wunschtermin für einen Rückruf vereinbaren. In der kostenlosen Erstberatung, erhalten sie erste Hinweise und Orientierung – im Anschluss entscheiden sie selbst, ob sie den Anwalt bzw. die Anwältin auch beauftragen möchten – oder sogar müssen.

Mit welchen Kosten muss ich rechnen und kann ich deren Höhe im Vorfeld irgendwie abschätzen, damit ich weiß, was im Falle einer Gerichtsverhandlung auf mich zukäme?

Carsten: Wir wissen, dass viele Rechtsuchende aus Unsicherheit und Angst vor zu hohen Kosten erst gar nicht den Schritt zum Anwalt bzw. zur Anwältin wagen. Diese Angst ist oft unbegründet und möchten wir durch Aufklärung und Transparenz nehmen.

Besteht über die Erstberatung hinaus Beratungsbedarf, klären unsere Partner-Anwält*innen im ersten Gespräch auch über mögliche Kosten auf – so nehmen wir unseren Kund*innen Unsicherheit und Ängste, die ganz häufig noch im Bereich der Rechtsberatung bestehen. Anwaltsgebühren sind gesetzlich im Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) festgelegt und können daher – abhängig von der Fallkonstellation – relativ einfach bestimmt werden. Ob unsere Kund*innen im Anschluss an die Erstberatung den Anwalt bzw. die Anwältin überhaupt beauftragen, ist ihnen natürlich jederzeit freigestellt. Nicht immer ist ein Rechtsbeistand über die Erstberatung hinaus nötig – einige Rechtsfragen klären sich schon im ersten Telefonat.

Auf klugo.de bieten wir zudem einen umfangreichen Ratgeber, der über alle Kosten, Angelegenheiten & Prozesse rund um eine Rechtsberatung oder die Beauftragung eines Anwalts bzw. einer Anwältin aufklärt. Dazu stellen wir praktische Rechner – wie den Anwaltskosten- oder Prozesskostenrechner – bereit, mit denen die Nutzer*innen sich schnell und einfach einen Überblick über mögliche Kosten verschaffen können.

Der LegalTech-Markt boomt und es gibt bereits einige Portale, die Online-Rechtsberatungen anbieten. Inwieweit unterscheidet ihr euch mit KLUGO von euren Mitstreiter*innen?

Carsten: Zwar bieten viele Portale Online-Rechtsberatungen an, jedoch erfolgt die Erstberatung häufig nicht durch erfahrene Anwält*innen - bei KLUGO können Rechtsuchende sofort mit einem erfahrenen Anwalt bzw. einer erfahrenen Anwältin sprechen.

Wir legen großen Wert darauf, dass die Anwält*innen in unserem Netzwerk neben ihren Qualifikationen auch umfassende Erfahrung mitbringen – sowohl bei einfachen und besonders bei komplexen Rechtsangelegenheiten ist es umso wichtiger, Unterstützung von einem Anwalt oder einer Anwältin mit umfassender Erfahrung zu erhalten.

Wir wählen die passenden Anwält*innen auf Grundlage vielfältiger Kriterien aus – wie z.B. Qualifikation, Fachgebiet, Sprache, Örtlichkeit sowie Verfügbarkeit. So gelingt es uns für jeden Rechtsfall und jede*n Kund*in den perfekten Anwalt bzw. die perfekte Anwältin zu finden.

Bei welchen Rechtsthemen herrscht seitens der Kund*innen besonders viel Unsicherheit? Gibt es Fragen oder Rechtsirrtümer, die euch in eurem Arbeitsalltag immer wieder begegnen?

Carsten: Viele Unsicherheiten bestehen im Arbeitsrecht, im Speziellen bei Kündigungen. Betroffene wissen ganz häufig nicht, ob sie überhaupt handeln müssen und welche Optionen sie haben. Nicht selten unterstützen unsere Partner-Anwält*innen so z.B. im Bereich Kündigungsschutzklage.

Auch aus dem Verkehrsrecht erreichen uns immer wieder Anfragen: Diese reichen von einfachen Ordnungswidrigkeiten bis hin zu schweren Verkehrsunfällen mit Ansprüchen auf Schadensersatz oder Schmerzensgeld.

Was dazu, wie schon erwähnt, immer wieder deutlich wird, sind die vorhandenen grundsätzlichen Unsicherheiten rund um die Beauftragung von Anwält*innen, den Ablauf einer Rechtsberatung oder eines Gerichtsprozesses usw.

Welche Chancen und Herausforderungen bietet die zunehmende Digitalisierung von juristischen Prozessen für Anwält*innen und Kanzleien?

Carsten: Mit Hilfe von Algorithmen, dem Einsatz von künstlicher Intelligenz und verschiedener Software können Arbeitsprozesse optimiert werden und im besten Fall größtenteils automatisiert ablaufen. Durch Legal Tech wird schon jetzt in einigen Rechtsbereichen effizienter gearbeitet. Das spart nicht nur Zeit auf Anwalts- und Mandantenseite, sondern reduziert auch Kosten. Dadurch erhalten immer mehr Menschen einfachen & schnellen Zugang zum Recht. Für Anwält*innen/Kanzleien bedeutet das also auch: Neue bzw. mehr Kund*innen & andere Zielgruppen erreichen.

Viele Anwält*innen spüren schon länger, dass sich das Suchverhalten ihrer Zielgruppe ändert. Das breite Online-Angebot zeigt: Der Gang zum Anwalt bzw. zur Anwältin vor Ort ist schon lange nicht mehr notwendig. Anwält*innen müssen sich digitaler aufstellen, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Möglichkeiten der Digitalisierung sind vielfältig, das Potential ist groß.

Für viele Kanzleien stellt die zunehmende Digitalisierung jedoch eine große Herausforderung dar. Nicht nur innerhalb der Kanzleien – auch im Rechtsmarkt allgemein – finden viele Prozesse noch analog statt. Hier ist ein sehr ganzheitliches Umdenken gefragt, was sicherlich an vielen Punkten nicht leicht ist und vor allem Zeit braucht.

Welche Möglichkeiten gibt es für Anwält*innen, mit KLUGO zu zusammenzuarbeiten? Nach welchen Kriterien wählt ihr eure Partner-Anwält*innen aus?

Carsten: Neben der beruflichen Qualifikation, legen wir insbesondere großen Wert auf die vorhandene Erfahrung – gerade im Bereich der Rechtsberatung ist es für den Erfolg einer Verhandlung maßgeblich, ob ein*e Anwält*in bereits langjährige/umfassende Erfahrung mitbringt. Davon profitieren Mandant*innen in der Regel immer.

Wir arbeiten zudem bevorzugt mit Anwält*innen mit moderner Kanzleiorganisation zusammen. Der Einsatz von neuen Technologien und die fortschreitende Digitalisierung erleichtern nicht nur die Arbeit auf Kanzleiseite – vor allem für den potentiellen Mandant*innen werden Prozesse dadurch verschlankt und so angenehm wie möglich gestaltet.

Die Kund*innen von heute erwarten auch im Rechtsbereich immer schneller Problemlösungen, eine 24/7 Erreichbarkeit wird immer häufiger vorausgesetzt: Aus diesem Grund versprechen wir unseren Kund*innen Telefonzeiten montags bis freitags von 8 bis 22 Uhr. Immer mehr Kanzleien müssen sich diesen gewachsenen Anforderungen stellen – als modernes Unternehmen, das die Kund*innen in den Fokus stellt, ist dies auch für uns ein wichtiges Kriterium für eine mögliche Zusammenarbeit.

Neben gewöhnlichen Service-Standards legen wir großen Wert auf eine transparente Kommunikation zu den Rechtsuchenden. Insbesondere auch in Bezug auf mögliche Kosten möchten wir jederzeit Unsicherheiten oder Unklarheiten vermeiden.

Wie ist die Idee zur Gründung von KLUGO entstanden und was waren die ersten konkreten Schritte zur Umsetzung eurer Geschäftsidee?

Carsten: Wir haben schon früh erkannt, dass immer mehr Nutzer*innen online nach Rechtsrat suchen. Tritt eine Rechtsfrage auf, versuchen Verbraucher*innen im ersten Schritt selbst eine Lösung zu ihrem Problem zu finden – ganz nach dem Motto »Hilfe zur Selbsthilfe«. Erst wenn die Online-Suche kein zufriedenstellendes Ergebnis bringt oder sich herausstellt, dass juristischer Beistand tatsächlich nötig ist, wird der Kontakt zu einem Anwalt oder einer Anwältin in Erwägung gezogen. Außerdem möchten viele Menschen den Anwalt bzw. die Anwältin heute nicht mehr uninformiert aufsuchen – und erst recht nicht wochenlang auf einen Termin warten. Häufig haben sie Angst vor langen Prozessen, hohen Kosten und juristischer Fachsimpelei. Hier wollen wir mit KLUGO ansetzen und all diese Hürden im Umgang mit Rechtsangelegenheiten beseitigen. 

Mitte 2017 wurde die Idee zu KLUGO durch die Geschäftsführer geboren. Innerhalb von 2,5 Monaten wurde das Projekt KLUGO in einer Betaphase in fünf deutschen Städten ausgerollt. Der Erfolg zeigte sich schnell: Schon in den ersten Wochen der Bewerbung informierten sich zahlreiche Verbraucher*innen in unserem Rechts-Ratgeber und nahmen die kostenlose Erstberatung in Anspruch.

Nach der erfolgreich durchlaufenen Betaphase ging es für uns im gleichen Tempo weiter: Die Plattform, unser Netzwerk und auch das KLUGO-Team ist in den vergangenen knapp 3 Jahren stetig gewachsen und hat sich enorm weiterentwickelt. Mittlerweile vermitteln wir deutschlandweit rechtliche Dienstleistungen an Rechtsuchende und informieren Menschen online in zu fast allen Rechtsgebieten. Das Potential ist nach wie vor riesig und wir arbeiten täglich an vielen, neuen Ideen, die den Rechtsmarkt vereinfachen sollen und weitere neue Zielgruppen erschließen werden.

Wie setzt sich das Kernteam von KLUGO zusammen? Welchen fachlichen Hintergrund bringen die Gründer*innen mit?

Carsten: Das Besondere an unserem Team ist, dass wir aus digitalen Expert*innen und erfahrenen Jurist*innen bestehen. Wir kennen die Herausforderungen einer Kanzlei also nicht nur aus Erzählungen.

Wir legen bei KLUGO großen Wert darauf, Expert*innen aus unterschiedlichen Bereichen zusammenzubringen. Jedes Teammitglied ist aber gleichzeitig auch Allrounder – denn in einem Startup und insbesondere in der sich immer schneller wandelnden digitalen Welt geht es darum, jederzeit flexibel zu sein, sich neuen Herausforderungen zu stellen bzw. zukünftigen Entwicklungen voraus zu sein.

In einem jungen Unternehmen ist es umso wichtiger, dass Teammitglieder auch selbst einen gewissen Gründergeist mitbringen – das treibt uns alle an und sorgt dafür, dass wir aneinander wachsen. Wir stellen uns selbst immer wieder in Frage, brechen alte Prozesse auf und scheuen uns nicht davor, Dinge einfach mal auszuprobieren und aus möglichen Fehltritten das Beste mitzunehmen.

Was waren die größten Hürden in der Gründungsphase und wie seid ihr diesen begegnet?

Carsten: Auch wenn im Rechtsmarkt schon viel in Bewegung ist, stoßen wir in Kanzleien immer wieder auf starre und veraltete Prozesse. Die Notwendigkeit, digitaler zu werden und gewohnte Prozesse über Bord zu werfen, ist selten leicht. Aus diesem Grund planen wir auch ausreichend Zeit für das Onboarding unserer Partner*innen ein und stehen jederzeit persönlich für Rückfragen und Feedback zur Verfügung.

Natürlich stehen wir auch den generellen Herausforderungen eines jungen Startups gegenüber. Wir wollen vor allem auch gesund und langsam wachsen – doch gleichzeitig natürlich nicht von unseren Wettbewerbern abgehängt werden.

In welche Richtung möchtet ihr euer Startup in den nächsten Jahren weiterentwickeln?

Carsten: In den letzten Jahren konnten bereits große Fortschritte im Bereich des maschinellen Lernens gemacht werden. In Zukunft werden wir uns z.B. noch intensiver mit den Möglichkeiten KI-gestützter Rechtsberatung auseinandersetzen. Die Art und Weise, wie Rechtsdienstleistungen in Zukunft erbracht werden, wird sich nachhaltig und kontinuierlich verändern – unsere eigene Arbeitsweise, unsere Produkte und unsere Strategien werden dabei immer wieder auf den Prüfstand gestellt. Hier möchten wir maßgeblich die Entwicklung des Marktes mitbestimmen und Vorreiter sein. Durch den Einsatz intelligenter Tools und Software entwickeln wir schon jetzt ein immer tieferes Verständnis für unsere Zielgruppe. Ganz klar im Fokus steht für uns dabei, unserer Zielgruppe das optimale Erlebnis in jeder Phase der »Customer Journey«, an jedem Touchpoint zu liefern.

Unsere Kund*innen wollen vor allem auch bei einer Rechtsberatung ganz genau wissen, was sie bekommen und wieviel es am Ende kostet. Aus diesem Grund arbeiten wir aktuell auch an der Entwicklung weiterer Produkte, die dieses Bedürfnis noch besser erfüllen.

Vor allem aber möchten wir unsere Position als starker und vertrauensvoller Partner in allen Rechtsangelegenheiten festigen. Das braucht neben einem starken Anwaltsnetzwerk, einer digital starken Plattform und innovativen, zielgruppengerechten Produkten vor allem auch Zeit. Denn Vertrauen entsteht nicht von heute auf morgen – jedes Unternehmen muss es sich hart erarbeiten.

Mehr Informationen zum Startup gibt es auf der Website von KLUGO.


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