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E-Health

Hautarzt-Diagnose per App mit DERMANOSTIC: »Durch die Digitalisierung können immer mehr Menschen mit einem erschwerten Zugang zur medizinischen Versorgung davon profitieren.«

von Robert Franzen, 23. Juli 2020 09:07
Die Corona-Krise zeigt, wie wichtig die Digitalisierung bei medizinischer Diagnostik und Behandlung sein kann. Neben einer geringeren Ansteckungsgefahr sowohl für Patien*innen als auch für das medizinische Personal verringert eine digitale Behandlung auch die Wartezeit und den den bürokratischen Aufwand für die Ärzt*innen. Gerade im Bereich der Dermatologie ist solch ein Diagnostikverfahren besonders einfach, da hier vor allem mit der sogenannten Blickdiagnostik gearbeitet wird. Wie gut so etwas funktioniert, zeigt die App DERMANOSTIC.

DERMANOSTIC ist eine App zur Diagnose von Hautkrankheiten bzw. dermatologischen Auffälligkeiten. Wie genau funktioniert euer Diagnoseverfahren und die anschließende Therapieempfehlung?

Laura Siebertz: Nachdem die*der Patient*in die App heruntergeladen hat, erfolgt eine kostenfreie Registrierung. Zu Beginn der Behandlungsanfrage sendet die*der Patient*in drei Fotos und beantwortet einen kurzen Fragebogen per App. Die Daten werden verschlüsselt an das Hautarztteam von DERMANOSTIC gesendet (sogenanntes Bild-Text-Verfahren). Innerhalb von 24 Stunden erhält der*die Patient*in von einem*r Hautfachärzt*in die Diagnose und Therapieempfehlung per App. Das Rezept wird, falls notwendig, per Post an den*die Patient*in oder direkt an die Wunschapotheke gesendet.


Reicht ein Foto denn aus, um eine genaue Diagnose stellen zu können? In welchen Fällen sollte man lieber persönlich zum*r Dermatolog*in gehen?

Siebertz: Studien zeigen, dass die Kameraauflösung von Smartphones seit 2015 für solche Diagnosen ausreichend ist. Die drei Fotos für die App werden aus verschiedenen Perspektiven und mit unterschiedlichen Abständen aufgenommen. Durch das Bild-Text-Verfahren ist gerade in der Dermatologie eine Diagnose zu 80-90% möglich, dies konnten bereits Studien aus 2007 belegen (A. Börve and R. Molina-Martinez; Mobile phone information service). 
Bei unklaren Befunden, bei denen ggf. eine Gewebeentnahme zur Diagnosesicherung notwendig ist (z. B. bei Verdacht auf Hautkrebs oder Pilzinfektionen), unterstützt das Team die Patient*innen bis zum Hautarztbesuch vor Ort.


DERMANOSTIC verspricht eine Diagnose innerhalb von 24 Stunden, egal wo man sich gerade befindet. Wie wird dies gewährleistet?

Siebertz: Wir haben derzeit ein fachliches Team bestehend aus vier Fachärzt*innen, darunter Professor*innen und Oberärzt*innen. Unsere Behandlung ist so konzipiert, dass die Ärztin*innen sich bei der Befundung auf das Medizinische fokussiert. Die restlichen Abläufe werden ihnen abgenommen und sind zum Teil digitalisiert. Dadurch können sich die Ärzt*innen viel Zeit für die Beurteilung der Fotos und der Anamnese nehmen. Wir haben zudem viele Anfragen von Hautfachärzt*innen, die von dem Konzept begeistert sind und unser Team unterstützen möchten. Bei weiter steigenden Behandlungsanfragen werden wir unser Team erweitern.


Werden die anfallenden Kosten für die Ferndiagnose von der Krankenkasse übernommen?
 

Siebertz: Derzeit wird unsere Behandlung von den meisten privaten Krankenkassen fast vollständig übernommen. Unser Ziel ist es aber, dass auf Dauer auch gesetzlich Versicherte von unserem Service profitieren können. Dazu sind wir mit entsprechenden Versicherungen im Gespräch. 
Grundsätzlich ist in den 25€ die gesamte Behandlung inkl. Honorar für den*die Arzt/Ärztin und Versand des Rezeptes beinhaltet.





Bei gesundheitlichen Problemen und ärztlicher Behandlung entstehen zwangsläufig sensible Daten. Wie werden diese bei DERMANOSTIC gesichert und wie lange?

Siebertz: Alle Daten werden in einem Rechenzentrum in Frankfurt am Main DSGVO-konform und mit neuesten Verschlüsselungstechniken gespeichert. Die Speicherung der Daten erfolgt - wie gesetzlich vorgeschrieben und wie bei niedergelassenen Ärzt*innen auch – für 10 Jahre.


Gerade in Zeiten von Corona kann eine Beratung auf Distanz dabei helfen, eine Verbreitung von Viren zu verhindern. Könnt ihr euch vorstellen, dass es in Zukunft noch mehr Angebote im Bereich der digitalen Medizinberatung gibt? Welche Bereiche würden davon besonders profitieren?

Siebertz: Tatsächlich ist seit der Corona-Krise die Bereitschaft der Menschen, sich über Telemedizin behandeln zu lassen, enorm gestiegen, so dass es in den nächsten Jahren vermutlich viele weitere telemedizinische Angebote geben wird.

Durch die Reichweite der Digitalisierung im Bereich der Gesundheit profitieren immer mehr Menschen mit einem erschwerten Zugang zur medizinischen Versorgung, wie Patient*innen im Altenheim, immobile Patient*innen oder Menschen in abgelegenen Regionen.


Wer steckt hinter DERMANOSTIC und wie setzt sich das Kernteam zusammen?

Siebertz: Unser Gründerteam besteht aus vier Ärzt*innen (Dr. Ole Martin, Dr. Alice Martin, Dr. Estefanía Lang und Patrick Lang). Estefanía und Alice sind Ärztinnen aus dem Bereich Dermatologie. Dr. Ole Martin ist Geschäftsführer, Dr. Estefanía Lang übernimmt die fachärztliche Leitung, Dr. Alice Martin ist für die fachliche Redaktion zuständig und Patrick Lang über den Bereich B2B. 
Außerdem unterstützen uns ein Programmierer und zwei weitere Mitarbeiter*innen im Bereich Marketing und PR.


Wie ist die Idee zur App entstanden und was motiviert euch, mehr auf »digitale Diagnosen« zu setzen?

Siebertz: Die beiden Gründerinnen Estefanía und Alice haben immer wieder Fotos über Whatsapp von Freund*innen zugesendet bekommen, die kurz um ihren dermatologischen Rat baten. Dabei haben sie festgestellt, wie treffsicher die Diagnosestellungen waren. Das wollten sie professionalisieren und die Idee zu DERMANOSTIC entstand.


Habt ihr eventuell Tipps für andere Gründer*innen im Bereich E-Health?

Siebertz: Es ist hilfreich, ein gutes Netzwerk zwischen den verschiedensten Bereichen im Gesundheitswesen aufzubauen. Startups sind als kleines Unternehmen sehr flexibel und können häufig schnelle Lösungen, u.a. auch für große Konzerne und Versicherungen, bieten. Nutzt daher Präsenzveranstaltungen und geht proaktiv auf andere Unternehmen zu.



Über Laura Siebertz: 


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Laura Siebertz arbeitet seit Mai 2020 bei DERMANOSTIC (Launch des Unternehmens war März 2020) und übernimmt die Kommunikation für die Gründer*innen mit. Damit ist sie die dritte Angestellte von DERMANOSTIC. Die studierte Kultur- und Medienwissenschaftlerin hat zuvor in einem Startup im Bereich der Lifestyle-Konsumgüterbranche gearbeitet.





Du möchtest gerne mehr über DERMANOSTIC erfahren? Dann schau doch einfach auf deren Webseite vorbei. 



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