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Interview mit Stephan Best von »mailo«

Abmahnung, Cyberattacke, DSGVO-Verstoß: InsurTech »mailo« versichert Freelancer*innen gegen digitale Risiken

von Charlotte Clarke, 11. Oktober 2019 07:11
Wer als Blogger*in, Online-Händler*in oder Berater*in freiberuflich tätig ist, sollte die geschäftlichen Risiken kennen und sich ggf. ausreichend versichern. Doch die Suche nach passenden Tarifen kann für Freelancer*innen gerade bei traditionellen, großen Versicherern oftmals frustrierend sein. Das junge Startup »mailo« hat sich speziell an die flexiblen Bedürfnisse von Freiberufler*innen angepasst. Mehr zum neuen Player in der InsurTech-Szene im Interview mit Stephan Best, Leiter Vertrieb & Marketing bei »mailo«.

Mit mailo bietet euer Startup Versicherungen speziell für Freelancer*innen und selbstständige Unternehmer*innen an. Was unterscheidet eure Angebote von den Leistungen etablierter Versicherungskonzerne?

Stephan Best: Unser Ziel ist es, unseren Kund*innen einen beruflichen Existenzschutz zu bieten und zwar rundum: Betriebshaftpflicht, Vermögensschadenhaftpflicht, Sach- und Inhaltsversicherung, Cyber- und Rechtsschutz. Unser bedarfsgerechtes Angebot kann dabei einfach und schnell angepasst und voll digital abgeschlossen werden. Unsere Produkte sind passgenaue Versicherungslösungen für Blogger*innen / Influencer*innen, Online-Händler*innen und Unternehmensberater*innen. Für die unterschiedlichen Betriebsarten unserer Zielgruppen entwickeln wir gemeinsam mit Kund*innen, Vertriebspartner*innen, Verbänden und anderen Partner*innen mittels moderner und agiler Design Thinking-Ansätze passgenaue Zielgruppentarife. Diese können dann sowohl als Komplettlösungen – als sog. »Multiline-Produkte« – bezogen werden oder auch einzeln, je nach Kund*innen-Wunsch. 

Unsere Produkte sind dabei täglich kündbar und passen sich durch den modularen Aufbau sowie Differenzdeckungsmöglichkeiten einfach und transparent in jede vorhandene Versichertensituation ein. Außerdem bieten wir in Kooperation mit Partner*innen Services an, die über reine Versicherungen hinausgehen, zum Beispiel unseren »Quick-Check« zur DSGVO-Compliance. Gegenüber den etablierten Versicherern haben wir zwei ganz fundamentale Vorteile: Erstens sind wir zu 100 % fokussiert. Das heißt, wir denken und handeln rund um die Uhr und zu 100 % »nur Gewerbe« und das mit einem hochqualifizierten Team aus Gewerbe-und IT-Spezialist*innen. Und zweitens sind wir neu und »auf der grünen Wiese« gebaut. Das heißt, wir haben keine limitierenden und bremsenden »Altlasten«, stattdessen aber eine hochmoderne IT und Organisation. Wir können schnell »und über den Flur« jede Entscheidung treffen und jedes Thema zur Zufriedenheit unserer Kund*innen und Partner*innen bewegen, häufig noch am selben Tag.

Wie haben sich im Zuge einer digitalisierten Arbeitswelt die Anforderungen der Versicherungsnehmer*innen verändert?

Stephan: Wir wollen dazu beitragen, Unternehmertum in Deutschland attraktiver, einfacher und sicherer zu machen. Und wir wissen aus eigener Erfahrung als Versicherungsexpert*innen und Unternehmer*innen, was dafür nötig ist. Wir wollen für unsere Zielkund*innen echte Existenzprobleme lösen, indem wir ihre unternehmerischen Risiken absichern. Viele unserer Zielkund*innen sind unterversichert, weil sie einfach keine passende Versicherungslösung finden oder haben, denn der Bedarf dieser Berufsgruppen hat sich in den letzten Jahren, vor allem mit zunehmender Digitalisierung, stark verändert. Expert*innen gehen davon aus, dass knapp die Hälfte der existenzgefährdenden Risiken in unserem Zielsegment nicht ausreichend versichert sind. Im Schadensfall ist das existenzgefährdend. Die Berufswelt ist im Wandel. Und im Rahmen dieses Wandels wächst das Segment der Freelancer*innen und Selbstständigen konstant stark weiter. Unsere Beobachtung war, dass sich die Kluft zwischen den Bedürfnissen des neuen Unternehmertums und den Lösungen von Versicherern zunehmend vergrößert. Im Zuge der Digitalisierung entwickeln sich völlig neue Berufswelten mit entsprechend neuen Risikoprofilen. Für unsere Kund*innen spielt eher die Sorge vor einer Abmahnung, einer Cyberattacke oder einem Verstoß gegen die DSGVO eine Rolle als die vor einem klassischen Brand oder Wasserschaden. Eine Versicherung, die sich auf diese neuen Anforderungen und Bedürfnisse spezialisiert, fehlte aus unserer Sicht und war die Intention, mailo zu gründen.

In welchen Bereichen bestehen für Freelancer*innen und selbstständige Kleinunternehmen besondere Risiken, gegen die ein passender Versicherungsschutz nicht fehlen sollte?

Stephan: Die digitale Entwicklung der letzten 10 Jahre hat nicht nur in der privaten Kommunikation, sondern auch in der Arbeitswelt zu neuen Erwartungshaltungen geführt: Schnellere und vor allem digitale Prozesse, mehr Flexibilität und Anpassbarkeit, höhere Transparenz. In großen und lange gewachsenen Versicherungsunternehmen ist das teilweise nur schwer zu leisten. Da sehen wir den klaren Vorteil von digitalen und »schlanken« neuen Playern in der Branche.

Nach welchen Kriterien werden die individuellen Tarife berechnet? Und inwieweit lässt sich der Tarif flexibel anpassen, wenn sich das Unternehmen z.B. neu ausrichtet oder wächst?

Stephan: Der Tarif richtet sich nach Größe, Mitarbeiterzahl und Einkommen des Gewerbes. Unsere Versicherungen sind täglich künd- und anpassbar. 

Bietet ihr auch Kooperationsmöglichkeiten für Versicherungsmakler*innen an?

Stephan: Makler*innen sind unsere wichtigsten Vertriebspartner! Wir bieten jedem/jeder Makler*in, ob Spezialist*in oder nicht, alle Bausteine für den Erfolg im Gewerbegeschäft an:

  • Bedarfsgerechte Tarife zu einem hochattraktiven Preis-Leistungsverhältnis, täglich kündbar
  • Unkomplizierte, papierlose Prozesse vom haftungssicheren Echtzeit-Produktabschluss bis zur Schadenregulierung
  • Automatisierte Tarifaktualisierung über den digitalen Meldebogen
  • Individuelle Deckungskonzepte, auch als »White-Label«
  • Nachhaltige Makler*innen-Betreuung
  • Erklärungsvideos, Produktinfos und eine 24x7-Hotline
  • Erfahrungsbasierte Verkaufs-und Argumentationshilfen und Cross-Selling-Ansätze und Aktivitätenplanung
  • Unkomplizierte technische Anbindung

Etablierte Gewerbespezialist*innen unterstützen wir damit bei ihrer erfolgreichen Marktpositionierung. Makler*innen mit geringerer Erfahrung im Gewerbe öffnen wir quasi die Tür zu diesem attraktiven Markt. Das mailo-Produktangebot kann auch direkt bezogen werden.

Wie setzt sich euer Kernteam zusammen? Welche fachlichen Hintergrund haben die Gründer und wie ist die Idee zum Konzept von mailo entstanden?

Stephan: mailo wurde von Armin Molla, Sten Nahrgang und Dr. Matthias Uebing Ende 2017 gegründet. Wir alle bringen eine langjährige Erfahrung und Expertise in der Versicherungsindustrie mit und ergänzen uns ideal in unseren Themenschwerpunkten: Armin Molla verantwortet die Bereiche Vertrieb und IT, Sten Nahrgang die Bereiche Versicherungstechnik und Finanzen. Dr. Matthias Uebing trägt die Verantwortung für Strategie und Operations. mailo ist ein junges und hochinnovatives Versicherungsunternehmen, hinter dem ein Netzwerk von starken, etablierten und erfahrenen Partner*innen und Kapitalgeber*innen steht. Zum einen sind das die renommierten Rückversicherer Munich Re und Deutsche Rück, die mailo neben einem maßgeschneiderten Rückversicherungsprogramm auch mit ihrer Expertise unterstützen. Zum anderen hat mailo finanzstarke Unternehmer*innen gewinnen können, die privates Kapital und ihre unternehmerische Erfahrung einbringen. Alle haben den notwendigen »langen Atem«, um ein erfolgreiches Versicherungsunternehmen aufzubauen.

Was waren eure größten Herausforderungen bei der Gründung und wie seid ihr diesen begegnet?

Stephan: Wir haben schon eine ganze Reihe von großen Herausforderungen gemeistert. Dazu zählt sicherlich die Zulassung durch die Finanzaufsichtsbehörde BaFin. Der Unterschied zu vielen anderen Startups ist, dass ein Versicherungsbetrieb nicht ohne offizielle Zulassung aufgenommen werden darf. Einige Startups aus der Finanzindustrie werden das ebenfalls kennen. Der Weg bis zum Erhalt der BaFin-Lizenz war arbeitsintensiv, aber auch sehr förderlich. Die Zusammenarbeit mit der BaFin hat uns sehr gut auf den Marktstart und den Betrieb eines erfolgreichen Versicherers vorbereitet. Die vielleicht größte Herausforderung aber war, ein tolles, motiviertes und erfahrenes Team aus Versicherungs-, Gewerbe-, IT-und Marketingexpert*innen zu finden, zusammenzubringen und mit diesem eine komplette, neue Versicherung auf die grüne Wiese zu stellen.

Seid ihr zurzeit auf der Suche nach neuen Mitarbeiter*innen? Welche fachlichen und persönlichen Qualifikationen sollten Bewerber*innen mitbringen, um Teil des mailo-Teams zu werden? Wie würdest du die Arbeitskultur bei mailo beschreiben?

Stephan: mailo beschäftigt derzeit knapp 30 Mitarbeiter*innen. Das Team besteht vor allem aus ausgewiesenen Gewerbe-, Vertriebs-und IT-Spezialist*innen. Darüber hinaus greift mailo auf ein ausgesuchtes und hochprofessionelles Netzwerk an Expert*innen und Ressourcen bei seinen angebundenen Dienstleistern zu. Wir sind insbesondere an erfahrenen und qualifizierten IT-Expert*innen interessiert.

Was habt ihr als nächstes geplant? In welche Richtung möchtet ihr mailo in Zukunft weiter entwickeln?

Stephan: 2019 widmen wir uns voll und ganz unseren Zielkund*innen und Vertriebspartner*innen sowie der Verbesserung und Weiterentwicklung unserer Technologie und Organisation. In fünf Jahren wollen wir der beste, innovativste und erfolgreichste Versicherer für unsere Zielkund*innen, unsere Partner*innen und unsere Mitarbeiter*innen sein.

Du möchtest mehr über das Startup erfahren? Hier geht es lang zur Website von mailo.


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