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Interview mit adiutaByte

KI-Startup adiutaByte macht komplexe Planungen ganz leicht: Wie durch intelligente Prozessoptimierung Mitarbeiter*innen entlastet werden

von Charlotte Clarke, 5. April 2019 08:51
Das Kölner Jungunternehmen adiutaByte zeigt, wie sich Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung sinnvoll in die Praxis übertragen lassen. Unterstützt durch die von adiutaBye entwickelte Software lassen sich mittels Optimierungsalgorithmik blitzschnell die besten Lösungen für komplexe Planungsprozesse finden. Somit werden Mitarbeiter*innen entlastet und unnötiger Aufwand gespart. Erfahrt im Interview mit Mitgründer Dr. Dustin Feld mehr über diese digitale Innovation.

Mit der Software von adiutaByte lassen sich komplexe Optimierungsprozesse mit Hilfe neuer algorithmischer Verfahren einfacher gestalten. Das klingt erst einmal ziemlich kompliziert. Wie genau funktioniert das?

Dr. Dustin Feld: Genau. Optimierungsprobleme sind leider auch sehr kompliziert und zeitraubend. Bereits kleine Planungsprobleme haben schnell mehr Lösungskombinationen als Elementarteilchen im Universum angenommen werden. Und genau deshalb haben wir ein gesamtheitliches Unterstützungssystem für verschiedene Planungsherausforderungen entwickelt - immer mit dem Ziel und auch mit dem Ergebnis, dass das adiutaByte-System sehr einfach und intuitiv den Planer und sein Spezialistenwissen in den Prozess mit einbezieht, aber die ewig währenden Vergleiche und Auswertungen von Kombinationen übernimmt und aufbereitet. Eine Tourenplanung mit adiutaByte zu optimieren, ist mit wenigen Klicks in Sekundenschnelle erledigt.

Wir nennen unseren Ansatz »Augmented Realtime Optimization«. Hierdurch wird der Planer aktiv in den Optimierungsprozess einbezogen und liefert im mathematisch hochkomplexen Prozess der Planungsoptimierung und in der intelligenten Abarbeitung riesiger Lösungssuchräume genau die Hinweise und das Wissen, dass Spezialist*innen und Planer*innen haben und dies - unserer Meinung nach - auch immer haben werden.

Wir kombinieren damit das Beste aus beiden Welten: Menschliches Spezialwissen - über Prozesse und die teilnehmenden Menschen und ihren Wünschen selbst - kombiniert mit algorithmischer Stärke in der mathematischen Optimierung.

In welchen Branchen und Anwendungsfeldern herrscht angesichts zunehmender Planungsanforderungen ein besonders dringender Bedarf nach software-gestützter Prozessoptimierung?

Dustin: Wir bewegen uns aktuell viel im Gesundheitssektor. Ambulante Pflegedienste, Apothekenkurierdienste, Home-Care, Essen auf Rädern und andere... Dies rührt von unserer eigenen Motivation und der Notwendig her, in diesem Sektor mit Algorithmik auch einen gesellschaftlichen Mehrwert zu stiften. Zweifelsohne ist der Bedarf an solchen Ansätzen in beinahe jeder wachsenden Branche vorhanden. Das liegt daran, dass die sogenannte mathematische Komplexität solcher Optimierungsprobleme exponentiell - also extrem rasant - mit der Größe des Problems ansteigt. Während ein Pflegedienst mit 10 Kunden noch gut händelbar ist mit Hausmitteln wie Stift und Papier - wenn auch bereits aufwendig - so hat sich bei 15 Kund*innen die Anzahl der Möglichkeiten im Vergleich für die Planung bereits mehrmals ver-hunderttausend-facht. Dieser Trend wird bei solchen Problemen klassischerweise immer schwerwiegender und folgenschwerer.

Brauche ich als Anwender*in der Software spezielle Kenntnisse?

Dustin: Überhaupt nicht! In der Pflege bieten wir sogar an die Lösung vollumfänglich in die vorhandene Pflegedienstsoftware zu integrieren um Datenpflegeaufwand zu minimieren und den gewohnten Arbeitsfluss nicht komplizierter zu machen. Der Planer definiert und gewichtet sein persönliches Optimierungsziel zusammengesetzt (z.B. aus Wegeminimierung, Wichtigkeit der Bezugspflegeeinhaltung und Ausgeglichenheit der Arbeitslast über das Team) über einfache Schieberegler. Im Anschluss erhält er in Sekundenschnelle durch die Anwendung von Optimierungsalgorithmik und künstlicher Intelligenz im Hintergrund einige verschiedene Plan-Ausprägungen inkl. anschaulicher Erläuterung und derer Auswirkungen auf sein Team.

Wie seid ihr auf die Idee zur Gründung von adiutaByte gekommen? Welche Vision treibt euch an?

Dustin: Wir waren jahrelang in der Wissenschaft tätig und haben uns unsagbar viel mit solchen Problemen und deren Lösung beschäftigt. Nun ist es für uns an der Zeit, dieses Wissen und die Fähigkeiten in Lösungen umzusetzen, die einen direkteren Einfluss und eine konkrete Anwendung in der Gesellschaft haben. Die Reduktion von Stress durch solche »Assistenzsysteme« - als solches bezeichnen wir die adiutaByte-Lösung - hilft uns selbst im professionellen IT-Arbeitsalltag enorm und es wird aus unserer Sicht Zeit, dass auch oft »vergessene« und gleichzeitig solch gesellschaftlich Relevante Branchen eine solche »HighTech-Unterstützung« erhalten!

Wie setzt sich euer Team zusammen und wie habt ihr zueinander gefunden?

Dustin: Ich habe das adiutaByte Projekt nach meiner Dissertation im Bereich der agilen Optimierung zusammen mit Philipp Rinner, seines Zeichens frisch absolvierter Businessdeveloper und Unternehmensstratege von der TU München, gestartet. Er stellte eine Anfrage an Fraunhofer, da er in diesem Bereich einen hohen Bedarf und Nutzen einer solchen Software sah, suchte aber nach der technischen Lösung. Die Stand - wenn auch in einem anderen Gewand - teilweise in meiner Dissertation. Zusammen mit ihm entwickelte ich einen ersten Prototyp und die Reise begann. Das ist nun bereits zwei Jahre her. Vanessa Wolff und Eric Schricker stießen bereits kurze Zeit später hinzu, da ich in unserer Gruppe am Fraunhofer ihre Masterarbeiten betreute. In der Zwischenzeit haben wir uns immer wieder in Programmen beweisen müssen und Förderungen verdient, um die Arbeit fortzusetzen. Unser außerordentliches Team ist mit Sicherheit unsere größte Stärke - und unsere Motivation!

adiutaByte ist eine Ausgründung aus dem Fraunhofer-Institut für Algorithmen und Wissenschaftliches Rechnen (SCAI). Wie habt ihr die Umstellung von einer forschenden Tätigkeit hin zum Entrepreneur empfunden? Welche Kompetenzen musstet ihr euch ggf. aneignen?

Dustin: Wir sind Fraunhofer sehr dankbar für die Unterstützung auf diesem Wege! In den beschrieben zwei Jahren haben wir von Fraunhofer uns alle von wissenschaftlich arbeitenden Menschen zu auch stärker unternehmerisch denkenden und insbesondere kundenorientiert arbeitenden Menschen entwickelt. Es war wichtig zu lernen, was genau den Nutzer*innen die meisten und dringlichsten Schwierigkeiten im Alltag abnehmen kann und dafür auch mal kurz die rein wissenschaftliche Neugier für Lösungen und Umsetzungen hintenan zu stellen. Insbesondere in den Programmen der Fraunhofer Venture Group (Tandem Camp, FDays, INNOVATOR) haben wir gelernt, Menschen von unserer Idee zu überzeugen und uns immer wieder beweisen müssen. Und eben auch, die genau dafür passende Lösung zu entwickeln!

Was waren für euch die größten Herausforderungen während der Gründungsphase? Gibt es etwas, was ihr im Nachhinein anders machen würdet?

Dustin: Dafür müssen wir abwarten bis wir im »Nachhinein« sind ;-) Aktuell könnte ich jede Entscheidung, die wir im Team geschlossen haben, blind wieder unterschreiben. Natürlich haben wir viel gelernt und insbesondere Kundenverhandlungen waren am Anfang dann doch noch eher holprig von unserer Seite her - das ist heute dann doch deutlich anders!

Gibt es einen Erfolg, auf den ihr besonders stolz seid?

Dustin: Das mag jetzt kitschig klingen, aber als der erste Pflegedienstleiter sagte, dass die Lösung ihm nun deutlich mehr Zeit für seine eigentlichen Aufgaben liefert und er wesentlich besser und sicherer durch seinen Planungsalltag kommt - das war für mich persönlich die schönste Bestätigung, diesen Weg zu gehen - mehr noch als die Preise, die wir hierfür bisher gewonnen haben.

Welchen Rat würdet ihr Menschen, die über eine Unternehmensgründung im Bereich Softwareentwicklung nachdenken, mit auf den Weg geben?

Dustin: Wenn ihr daran glaubt - Traut euch! Man kann immer scheitern, das gilt nach wie vor auch für uns als junges Start-Up. Etwas wirklich Eigenes, von dem man vollends überzeugt ist, zu versuchen, wird man sich im Leben meiner Meinung nach nie vorwerfen können. Es ist ein anstrengender aber auch unsagbar spannender und erfüllender Weg.

Mit den Worten von Gandhi auf den Punkt gebracht: »Sei du selbst die Veränderung, die Du Dir für diese Welt wünschst.«

Wie sehen eure Pläne für die nahe Zukunft aus? In welche Richtung möchtet ihr adiutaByte in den nächsten Jahren gerne weiterentwickeln?

Dustin: Wenn in einem Jahr mehr Planer*innen entlastet werden, mehr Zeit für Pflege ist, ein*e Pfleger*in auch die Luft hat, der/dem Patient*in mal einen Brief vorzulesen oder bei einem Formular zu helfen - dann wäre ich sehr zufrieden und glücklich. In welche Richtung adiutaByte technologisch und in Bezug auf weitere Märkte gehen wird, hängt von vielen Faktoren ab - wir freuen uns auf jeden Fall darauf.

»Der größte Feind des Wissens ist nicht Ignoranz, sondern die Illusion, wissend zu sein.« - vielleicht von Stephen Hawking... vielleicht auch nicht…

Du möchtest mehr über dieses Startup erfahren? Hier geht es zur adiutaByte-Website.


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