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Interview mit blookery

Kölner Startup blookery plant Städtetrips via Blind Booking: »Wenn man den Tag nicht komplett durchgetaktet hat, schlägt man andere Wege ein als mit einem Plan.«

von Charlotte Clarke, 11. April 2019 07:34
Stellt dir vor, du buchst einen Städtetrip, hast aber bis kurz vor Abflug keine Ahnung, wohin die Reise gehen wird. Auf diesen Nervenkitzel des »Blind Booking« setzt das Kölner Startup blookery. Erfahre im Interview mit blookery-Mitgründer Kevin Kiesewetter, wie genau das funktioniert und was man bei der Gründung eines digitalen Startups beachten sollte.

Die Buchung einer Reise via blookery folgt dem »Blind Booking«-Konzept. Was genau ist darunter zu verstehen?

Kevin Kiesewetter: Dabei bucht der Kunde einen Städtetrip aus Flug und Hotel, weiß aber vor und während des Buchungsprozesses nicht, wohin seine Reise geht.

Bei der Buchung wählt der Kunde aus, ob er sein Reiseziel „Kurz nach der Buchung“ oder auch erst „7 Tage vor Abflug“ erfahren will. Das ist perfekt für Leute, die sich nicht entscheiden können, Neues erleben wollen oder einfach die Überraschung lieben. :)

Nach welchen Kriterien wählt ihr die Reisen für die jeweiligen Kund*innen aus?

Kevin: Jeder Kunde nennt uns bei seiner unverbindlichen Anfrage seine Wünsche. Entsprechend seinen Wünschen, wie z.B. in welche Region er reisen möchte, an welchem Datum, von welchem Flughafen etc. suchen wir ihm einen Flug und ein passendes Hotel. Bei der Hotelauswahl haben wir dann Standardkriterien die immer gegeben sind. So sind die Hotels mind. 3-Sterne Hotels, zentral gelegen und haben auf »Booking.com« eine Kundenbewertung von mind. 8 von 10 Punkten, was einer Bewertung von »sehr gut« entspricht. Die Flüge wählen wir anhand der Flugzeiten und des Preises aus – eben das beste Preis-Leistungsverhältnis.

Wann erfahre ich als Kundin*in wohin und wann die Reise losgeht? Und kann ich Reiseziele, die ich überhaupt nicht attraktiv finde, ausschließen?

Kevin: Dein Reiseziel erfährst du „Kurz nach der Buchung“ oder „7 Tage vor Abflug“ über deinen eigenen Countdown, den wir dir mit deiner Buchungsbestätigung zusenden. Wann die Reise los geht, siehst du bereits in deinem Angebot. Dort geben wir dir ein Zeitfenster, z.B. dass dein Hinflug morgens zwischen 9-12 Uhr losgeht. Spätestens, wenn du das Reiseziel kennst, kannst du die genauen Flugzeiten in deinen Unterlagen nachschauen.

Ja, Reiseziele, zu denen du nicht möchtest, kannst du bei deiner Anfrage ganz einfach und kostenlos ausschließen. Andere Anbieter verlangen hierfür eine Gebühr, z.B. 5 € pro Person und ausgeschlossener Zielstadt.

Was genau macht für euch persönlich den Reiz eines solchen »Blind Trips« aus?

Kevin: Erst einmal die Ungewissheit, wohin es geht. Das ist schon ein cooles Gefühl. Du weißt, du wirst bald einen Städtetrip machen, weißt aber noch nicht, wohin. Da ist die Vorfreude nochmal besonders stark.

Dann reist man vor Ort spontan, ohne viel Vorahnung und einen genauen Plan. Sprich, man lässt sich einfach treiben, lässt alles auf sich zukommen, redet mit den Leuten vor Ort, holt sich Tipps und schaut, was der Tag so bringt. Da man durchs »Blind Booking« sein Reiseziel erst spät erfährt, wird man automatisch auf gewisse Art und Weise so reisen. Natürlich schaut man sich auch die Top-Sehenswürdigkeiten der Stadt an. Aber wenn man den Tag nicht komplett durchgetaktet hat, schlägt man andere Wege ein als mit einem Plan. So entdeckt man dann oft Sachen, die man sonst vllt. nicht gesehen hätte.

Wie genau ist die Idee zur Gründung von blookery entstanden?

Kevin: Wir haben einen selbst organisierten »Blind Booking«-Trip gemacht. Da wusste nur ich den Zielort und habe meine Kumpels unwissend gelassen. Als wir dann wieder zurück waren, dachten wir uns: So eine Art des reisens ist verdammt cool – das wollen wir auch anderen ermöglichen.

Wie setzt sich euer Team zusammen? Welche Kompetenzen musstet ihr euch für die Gründung eines eigenen Unternehmens noch aneignen?

Kevin: Wir sind zwei Gründer und haben drei weitere Mitarbeiter, unsere »Kunden-Glücklich-Macher*innen«. Ich bin UX Designer, sprich z.B. eine Website zu bauen, ist für uns kein Problem. Jannis hat sich dann über die Zeit das Programmieren immer mehr angeeignet, so dass wir hier auch unabhängig sind. Ich habe mich über die Zeit mehr und mehr ins Marketing eingearbeitet. Zuvor hatte ich z.B. keine Ahnung von Google Ads oder Social Media Marketing, was ich mittlerweile gut beherrsche. Wir fuchsen uns selbst also in diverse Sachen rein, sind beides Macher und finden Lösungen.

Ihr habt eine Zeit lang als »Digital Nomads« von Südostasien aus an eurem Startup gearbeitet. Wie war diese Erfahrung und was gilt dabei zu beachten, wenn man Arbeit und Urlaub kombinieren will?

Kevin: Genau. Jannis und ich sind erstmal für eine Zeit nach Südostasien, in der wir vier Wochen unabhängig voneinander gereist sind. Anschließend trafen wir uns und haben drei Monate zusammen in Thailand, Indonesien, Kuala Lumpur etc. an unserm Unternehmen gearbeitet und an der Idee gefeilt. Sprich, wir haben super viel probiert, Kundenumfragen gestellt, davon gelernt und die Seite oft umgebaut. Die Erfahrung war entsprechend sehr geil. Wir hatten beide unser Bungalow direkt am Strand und verbrachten unsere Pausen im Meer und diskutierten dort weiter über blookery. Zu beachten gibt es da eigentlich nicht viel. Man ist ggf. länger in einem Land. Da muss man die Aufenthaltszeiten wissen, wie lange du dich mit deinem Visa in dem Land befinden darfst.

Gibt es einen Erfolg, auf den ihr besonders stolz seid?

Kevin: Der größte Erfolg war unser Beitrag auf Galileo. Das war schon verdammt cool. Präsenz im TV schlägt halt ein. Wir hatten an dem Tag extrem viele Besucher auf unserer Seite und entsprechend viele Anfragen. Wir saßen zu fünft bis morgens um 4 Uhr, um alle Anfragen zu beantworten. :)

Welchen Rat würdet ihr Menschen, die ein digitales Startup gründen möchten, mit auf den Weg geben?

Kevin: Wir haben sehr »lean« begonnen. Wir hatten eine Idee und haben nicht direkt eine Suchmaschine gebaut, mit API Anbindungen, einem Login, Dashboard und was man alles so machen kann. Wir haben eine einfache Landingpage gebaut, Tools wie Typeform und Zapier genutzt, die kostenlos sind und Google Ads mit 2 € auf die Kampagne gelegt und langsam mit den Kunden dazu gelernt. In der ersten Woche hatten wir dann unsere erste Buchung und damit unseren ersten zahlenden Kunden. Wir haben die Bedürfnisse der Kunden durch Umfragen genauer evaluiert. Also unser Rat auch hier: Fragt die Kunden. Die sagen euch, was für Wünsche und Probleme sie haben. Dafür könnt ihr dann eine Lösung bauen. Dem Kunden ist es egal, ob er ein Fancy Dashboard hat oder nicht, solange sein Problem gelöst wird.

Reisefiebeer geweckt? Hier geht es zur blookery-Website.


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