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Foto ©: Manor Lux, Raketenstart
LegalTech

Juristisches Fachwissen für Gründer*innen: Startup RAKETENSTART begleitet als »rechtlicher Leuchtturm« durch den gesamten Gründungsprozess

von Robert Franzen, 23. Oktober 2020 07:53
Sich als Neugründer*in, Selbstständige*r oder Freiberufler*in durch den juristischen Dschungel zu kämpfen, ist schwierig, umständlich und kostet viel Energie. Wie schön, wenn es da eine Anlaufstelle gäbe, bei denen sich juristische Laien alles Nötige für ihre Selbstständigkeit aneignen können. Das hat sich auch Madeleine Heuts gedacht und daraufhin die digitale Rechtsberatung RAKETENSTART gegründet. Alles wichtige dazu haben wir mit ihr im Interview besprochen.

RAKETENSTART ist eine digitale Rechtsberatung für Gründer*innen, Selbstständige und Startups. Erkläre doch bitte einmal, wie euer Konzept konkret funktioniert.

Madeleine Heuts:
RAKETENSTART bietet als Online-Plattform die Möglichkeit einer eigenen digitalen Rechtsabteilung für Existenzgründer*innen. Unser Angebot ist in verschiedenen Modulen aufgebaut und deckt den gesamten Rechtsberatungsbedarf für Existenzgründer*innen mit einer Mischung aus interaktivem E-Learning in der RAKETENSTART Academy, auf künstlicher Intelligenz basierenden Legal Tech Tools und der Vermittlung digitaler Beratungsmöglichkeiten kosteneffizient, transparent und digital ab. Geplant ist der Launch der RAKETENSTART Academy für Anfang 2021.


Könnt ihr ein paar praktische Beispiele eurer LegalTech-Tools geben, mit denen ihr Gründer*innen das Leben leichter macht?

Madeleine: In der RAKETENSTART Academy bringen wir den Unternehmer*innen rechtliches Basiswissen nach dem »Hilfe zur Selbsthilfe«-Prinzip in interaktiven Online-Kursen bei. Die unterschiedlichen Kurspakete beinhalten Lernvideos, Checklisten und weitere Module, in denen wir juristische Inhalte einfach verständlich und vor allen Dingen praxisnah vermitteln. Dieses Wissen können die Unternehmer*innen in den unterschiedlichen Tools, wie zum Beispiel unserem Vertragsgenerator, direkt anwenden und mithilfe der juristischen Expert*innen direkt per Videochat auf der Plattform individualisieren. 

RAKETENSTART ermöglicht Existenzgründer*innen damit die Aneignung und Anwendung eines eigenen juristischen Grundwissens sowie den Zugang zu hochqualifizierten, auf Existenzgründer*innen spezialisierten Expert*innen. Auf Basis dessen können im Anschluss auftretende Probleme im Unternehmen erkannt und gelöst werden. 

Für auf die Betreuung von Existenzgründer*innen spezialisierte Rechtsanwält*innen und Kanzleien bietet RAKETENSTART im Umkehrschluss eine effiziente und zielgerichtete Möglichkeit der Lead-Generierung und Mandatsakquise mittels Content-Marketing. Unsere Partneranwält*innen werden durch RAKETENSTART in den verschiedenen Modulen durch die gelieferten juristischen Inhalte als Expert*innen und Ansprechpartner*innen für Beratung der bereits vorab sensibilisierten und geschulten Existenzgründer*innen positioniert.

Um das Thema Recht im Unternehmen für Existenzgründer*innen einfacher zugänglich zu machen, spreche ich im RAKETENSTART-Podcast außerdem jede Woche mit erfolgreichen Unternehmer*innen, Investor*innen und Persönlichkeiten der Startup-Szene über die rechtlichen Fallstricke bei der Unternehmensgründung.


Ihr habt eben auch eure Academy angesprochen, die Startups und Selbstständigen das rechtliche Wissen vermitteln soll, das für eine Gründung relevant ist. Welche Themen wollt ihr dabei abdecken?

Madeleine: Im Basispaket der RAKETENSTART Academy möchten wir Existenzgründer*innen - zielgruppenorientiert jeweils ausgerichtet auf innovative Startups - Freiberufler*innen oder klassische Gewerbetreibenden, einen Zugang zu grundsätzlichem rechtlichem Wissen für ihre Gründung unabhängig vom Produkt ermöglichen. Das beinhaltet sowohl die Standardthemen aller Existenzgründer*innen (wie z.B. die passende Gesellschaftsform, Marken, Patente und dem Bau einer Website) als auch tiefergehende Themen (wie die Einstellung von Mitarbeiter*innen, Pflichten eines*r Geschäftsführer*in und Datenschutzgrundlagen).

In unseren Academy-Spezialpaketen werden produkt- und branchenspezifische Themen und die besonderen Anforderungen, beispielsweise im Bereich Food, FinTech oder E-Health, aufgegriffen und vermittelt. 

RAKETENSTART begleitet die Existenzgründer*innen damit als Partner und »rechtlicher Leuchtturm« durch den gesamten Gründungsprozess und unterstützt dabei, sich von vornherein rechtssicher aufzustellen.



Wo seht ihr die Potenziale der Digitalisierung im juristischen Bereich? Viele befürchten durch digitale Tools und künstliche Intelligenz das Wegfallen vieler Jobs, andere wiederum sehen in ihr die Chance, die rechtliche Beratung effizienter und individueller zu gestalten. Was sind eure Einschätzungen zu diesem Thema?


Madeleine: Durch die Digitalisierung im juristischen Bereich entsteht nicht nur die Möglichkeit zur deutlich höheren Effizienz des juristischen Arbeitens, sondern vor allem die Möglichkeit der Kreation eines effektiven Zugangs zu Recht für Nichtjurist*innen. Das ist auch in unserem Grundgesetz tief verankert und damit eine große Chance, auch juristische Laien wahrhaftig für unseren Rechtsstaat zu begeistern.

Die Auswahl eines passenden Anwalts bzw. einer passenden Anwältin mit anschließender digitaler Beratung oder die Schaffung neuer Mandate bei Startups wie »RightNow« oder »Helpcheck« ist dabei bloß der Anfang. Mithilfe neuester Technologien wird auch die automatisierte Klassifizierung und Beantwortung rechtlicher Fragestellungen immer mehr ermöglicht. Die menschliche Anwendung juristischer Expertise und die Verwendung digitaler Tools gehen dabei Hand in Hand, um das bestmögliche Ergebnis für beide Parteien zu liefern. Es bleibt damit sowohl mehr Zeit für Jurist*innen, anspruchsvolle Qualitätsberatung zu leisten und neue Problemfelder zu erschließen, als auch mehr Menschen einen Zugang zu Recht zu eröffnen. Außerdem sieht sich auch die juristische Arbeitswelt dem Nachwuchsproblem ausgesetzt, vor allem im öffentlichen Sektor. Besonders die Digitalisierung der Gerichte und öffentlichen Prozesse birgt daher große Chancen für die Gründung eines Startups.

Ich persönlich glaube, dass durch künstliche Intelligenz und digitale Tools eine Win-Win-Situation sowohl für Anwält*innen als auch die Mandant*innen entsteht. Die Welt ist ständig in Bewegung und vor allem bei RAKETENSTART beobachten wir, dass wir durch unsere Plattform eher mehr Menschen zu Mandant*innen machen können und damit neue juristische Arbeit schaffen, anstatt Jobs »wegzunehmen«. Indem wir für Existenzgründer*innen in unseren Formaten Standardfälle und juristisches Wissen digitalisieren, sind unsere Kund*innen viel gewillter, Geld für maßgeschneiderte Einzelfallberatung in den Themen, die für sie elementar sind, in die Hand zu nehmen und diese zu schätzen. Wir sind damit ein sehr spannender Partner gerade für Wirtschaftskanzleien, um auf Augenhöhe an Mandant*innen heranzutreten und die großen Unternehmen von Morgen früh für sich zu gewinnen.



Geschäftsmodelle im Bereich LegalTech sind in Deutschland momentan noch nicht sehr etabliert. Woran könnte das liegen und warum ist es so wichtig, dass sich dies ändert?
 

Madeleine: Die Digitalisierung ist in den letzten Jahren immer wichtiger geworden. Ich denke, das hat inzwischen jede*r verstanden. Auch für den Rechtsbereich ist diese Entwicklung notwendig und wichtig, um nicht stehen zu bleiben - der juristische Bereich ist jedoch weiterhin sehr konservativ geprägt. Meiner Ansicht nach beruhen die Hauptprobleme auf folgenden Punkten: Zunächst sind die jetzigen Entscheidungsträger*innen der Rechtsbranche zumeist nicht digital aufgewachsen. Die »Hierarchie« in der Rechtswelt fokussiert sich außerdem vor allem auf die Examensnote, nicht auf die Expertise und Erfahrungen mit anderen Bereichen wie z.B. Technologie. Hinzu kommt, dass in den Universitäten weiterhin kaum technologische oder unternehmerische Grundlagen vermittelt werden, die es der Kerngruppe der juristischen Wissensträger*innen ermöglichen würden, selbst digitale Lösungen zu entwickeln. Die Wenigen, die es bisher tun, sind meist Quereinsteiger*innen oder schon im Studium eher »Exoten«, weil sie sich über den Tellerrand hinaus selbst weiterbilden.

Nur 2,1 % der Gründer bzw. 1,1 % der Gründerinnen in Deutschland haben laut Female Founders Monitor Jura studiert. An diesen Punkten müssen wir dringend arbeiten, wenn unsere Branche sich zukunftsorientiert aufstellen will. Das ist auch zwingend notwendig, denn auch Mandant*innen entwickeln sich durch die Digitalisierung immer mehr zu »Kund*innen« und verändern ihre Anspruchshaltung. Nur die Jurist*innen, die sich auch mit dieser Veränderung weiterentwickeln, werden langfristig weiterhin erfolgreich sein. Das ist auch aus unternehmerischer Sicht ganz normal: Es gibt kein Recht auf Stillstand.



Wie könnte man junge Jurist*innen dazu bewegen, mehr in Richtung LegalTech zu gehen bzw. ihre Chancen im Gründertum zu suchen?

Madeleine: Viele junge Jurist*innen merken bereits während ihres Studiums bzw. den ersten Tätigkeiten in Kanzleien, dass die klassische Anwaltskanzlei nichts für sie ist. Sie wünschen sich vor allem, freier, kreativer und eigenständiger zu arbeiten. Das Staatsexamen und juristische Expertise sind dabei der perfekte Türöffner für diverse Berufsalternativen, vor allem das Unternehmertum. Wir müssen junge Menschen (nicht nur Jurist*innen) bereits während des Studiums dazu begeistern, eigene Ideen für die Lösung der Probleme unserer Gesellschaft zu entwickeln und sich zu trauen, dies im Rahmen einer Gründung auf die Straße zu bringen. Gerade ein juristischer Background ist dafür wie geschaffen. Jedes Unternehmen ist zwingend auf juristisches Wissen angewiesen. 

An den Universitäten wird diese reale Alternative bisher jedoch leider neben den klassischen Berufsbildern vernachlässigt. Aber auch in der Gesellschaft muss sich dazu einiges tun, denn Scheitern (was nun einmal bei einer Gründung statistisch nicht selten vorkommt) ist in Deutschland immer noch verpönt. Diesbezüglich sollten wir uns durchaus an Ländern wie den USA ein Beispiel nehmen, nicht umsonst kommen die größten Techgiganten von dort. Nur wer keine Angst hat zu scheitern, kann wirklich Großes bewirken.



Es scheint sich in den letzten paar Jahren ein kleiner Startup-Boom entwickelt zu haben. Was sind eurer Erfahrung nach die häufigsten (rechtlichen) Stolpersteine für eine Neugründung? Wie lassen sich diese am besten umgehen?
 

Madeleine: Im letzten Jahr habe ich viele Gespräche mit Gründer*innen geführt, welche Themen sie am meisten beschäftigt haben. Zu den häufigsten rechtlichen Stolpersteinen gehörten vor allem Fehler bei der Erstellung des Webauftritts, z.B. durch die Verwendung fremder Bilder, fehlerhafter Datenschutzerklärung, eine verspätete oder keine Markenanmeldung oder die falsche Wahl der Gesellschaftsform. Viele Gründer*innen beschäftigen sich aber auch einfach gar nicht mit rechtlichen Themen und stellen dann im späteren Verlauf fest, dass es brenzlig wird oder verlieren eine Menge Geld, um hinterher alles »geradezubiegen«. 

Ich spreche deshalb in unserem RAKETENSTART-Podcast regelmäßig mit Unternehmer*innen über ihre größten »Legal Fuckups«, von denen man unglaublich viel lernen kann, um die Gründer*innen frühzeitig zu sensibilisieren. In der Academy greifen wir dann diese Themen auf und helfen dabei, diese Fehler von vornherein zu verhindern.



Wer steckt hinter RAKETENSTART und wie ist die Idee für das Startup entstanden?


Madeleine: Die Idee zu RAKETENSTART entstand Ende 2018 während meines Jurastudiums als One-Woman Show in Bonn, als mich ein Schulfreund um Hilfe bei rechtlichen Themen seiner Gründung bat, weil er weder rechtliches Wissen noch finanzielle Möglichkeiten für Rechtsberatung hatte. Ich stellte schnell fest, dass es vielen Gründer*innen so erging und immer wieder die gleichen Fragen aufkamen, das Internet sich aber oftmals als riskante und fehlerhafte Wissensquelle herausstellte, auf die sie sich für eine Unternehmensgründung bisher nicht verlassen konnten. Ich beschäftigte mich bereits während des Studiums sehr tiefgehend mit der Schnittstelle von Recht und digitalen Geschäftsmodellen, Branding und Online-Marketing, arbeitete nebenbei in der IT und legte damit quasi den Grundstein für alles, das RAKETENSTART jetzt vereint. Im Laufe von 2020 hat sich unser Team stetig erweitert. Inzwischen verfolgen wir mit 10 begeisterten Köpfen aus den verschiedensten Bereichen die Mission, Unternehmer*innen bei ihrer Unternehmensgründung zu unterstützen, um ihnen zu helfen, unsere Welt ein Stückchen besser zu machen.



Ihr seid ein noch relativ junges Startup. Können wir euch vielleicht entlocken, wie ihr die Gründungsphase momentan erlebt und wie ihr mit Herausforderungen umgeht? 


Madeleine:
Die jetzige Phase ist für das gesamte Team eine sehr aufregende Zeit, voller spannender Erlebnisse und natürlich vielen Hürden, an denen wir täglich wachsen und unserem Ziel Stück für Stück näher kommen. Wir legen großen Wert auf ein gemeinsames Mindset und vor allem eine offene Fehlerkultur, in der sich alle Teammitglieder gegenseitig vertrauen, offen miteinander kommunizieren und sich unterstützen.

Rückblickend ist in den letzten Monaten unglaublich viel in kürzester Zeit passiert. Wir beziehen nun unser erstes eigenes Büro im Belgischen Viertel. Damit ist viel Arbeit verbunden und natürlich läuft nicht immer alles so, wie man es sich vorgestellt bzw. geplant hat. 

Aber unser Team besteht aus großartigen Menschen, die sich neuen Gegebenheiten gemeinsam schnell anpassen und neue Ideen einbringen. Und wenn mal etwas schief läuft, reflektieren wir gemeinsam, woran es lag und was wir beim nächsten Mal besser machen können. Ein so gut eingespieltes Team ist unglaublich wertvoll, um die Höhen und Tiefen eines Startups überhaupt bewältigen zu können. 

Besonders wichtig ist mir jedoch, dass wir jeden Tag bei allem, was wir tun, sehr viel Spaß haben und uns alle menschlich gut verstehen. Es ist ein großes Privileg für mich, dass wir bei RAKETENSTART ein Team gefunden haben, das wirklich an die Idee glaubt und sich mit voller Begeisterung dafür einsetzt, dass RAKETENSTART unser gemeinsamer Erfolg wird.



Welche Zukunftspläne habt ihr für RAKETENSTART? Könnt ihr euch z.B. vorstellen, eure Beratung auch auf andere Bereiche zu erweitern?


Madeleine: Wir fokussieren uns gerade auf die Vorbereitung unseres Launches für 2021. In ein paar Jahren möchten wir für Existenzgründer*innen Anlaufstelle Nummer 1 sein, wenn es um rechtliche Themen geht. Wir können uns aber auch vorstellen, das später auf weitere Felder auszuweiten. Wir sind diesbezüglich immer im engen Austausch mit unserer Community und unseren Kund*innen, die uns sehr viel hilfreiches Feedback und Unterstützung geben. Für diesen Input sind wir sehr dankbar, weshalb auf unserer Website Unternehmer*innen auch ihre Ideen und Themen einbringen, sowie Teil unserer Community werden können, in der wir Gründer*innen miteinander vernetzen, Veranstaltungen organisieren oder sie über relevante Änderungen auf dem Laufenden halten. Dazu sei auch jede*r Leser*in herzlich eingeladen. Ich freue mich sehr auf den Austausch miteinander. 

Vielen Dank für das Interview!



Über Madeleine Heuts: 

Foto ©: Raketenstart


Madeleine Heuts ist Juristin, Gründerin und CEO von RAKETENSTART. Mit Kenntnissen im Online Marketing und Branding, verknüpft Madeleine ursprünglich konservative juristische Ansätze mit modernen Kommunikationsmedien. Dazu betreibt sie auch einen wöchentlichen Podcast, um bei ihren Zuhörer*innen den eigenen Gründergeist zu wecken und Menschen zur Selbstverwirklichung in Form der Gründung eines eigenen Unternehmens zu motivieren. 


Du möchtest gerne mehr erfahren? Hier geht es zur Webseite von RAKETENSTART







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