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Interview mit Norman Grafweg von shareDnC

Die Alternative zu Coworking: Mit der Office Sharing-Plattform »shareDnC« flexible Büroräume finden

von Charlotte Clarke, 14. September 2019 08:55
Gerade in Großstädten gestaltet sich die Suche nach passenden und vor allem bezahlbaren Büroräumen als äußerst schwieriges Unterfangen, langfristige Mietverträge sind gerade für flexibel agierende Unternehmen wenig attraktiv. Dabei herrschen bei vielen größeren Firmen ungenutzte Büroleerstände. Also warum nicht Büros teilen? Das Kölner PropTech »shareDnC« ist Deutschlands erste Online-Plattform für Shared Offices. Mehr zum Konzept verrät Norman Grafweg, Marketing-Experte bei »shareDnC« im Interview.

Mit eurem Startup shareDnC bietet ihr eine Online-Plattform rund um das Thema »Office Sharing« an. Worum genau geht es dabei? 

Norman Grafweg: Bei einem »Shared Office« handelt es sich im Grunde um eine Art Bürogemeinschaft, die vom Prinzip her mit einer Wohngemeinschaft zu vergleichen ist. Hier hat jeder seinen eigenen Arbeitsplatz, aber die übrigen Bereiche des Büros, wie z.B. die Küche, Meetingräume sowie die technische Ausstattung werden von allen geteilt. 

Ein Shared Office besteht meistens aus zwei oder mehr Vertragspartnern, wobei eine Partei in aller Regel der Hauptmieter und dadurch Anbieter des Shared Office ist. Während sich der Hauptmieter um die Infrastruktur (Reinigung, Internet, etc.) und Grundausstattung kümmert, darf der Untermieter die Allgemeinflächen und technische Ausstattung mit nutzen. 

Zu finden sind Shared Offices besonders in beliebten Stadtteilen von Großstädten, also dort, wo Flächen für Büros hart umkämpft sind. 

Wer bietet bei shareDnC die Büroräume an? Sind die Büros bereits möbliert und ausgestattet?

Norman: Typische Anbieter sind u.a. StartUps, GrownUps, Agenturen (Werbung, Marketing, etc.), Beratungsunternehmen oder IT-Firmen. Auch einige professionelle Coworking Spaces inserieren ihre Arbeitsplätze auf shareDnC, die Pufferflächen bzw. Leerstand haben. 

Zustande kommen solche Leerstände meistens dadurch, dass sich eine Firma z.B. die Möglichkeit des Wachstums offenhalten möchte und daher eine größere Bürofläche anmietet als zu dem Zeitpunkt notwendig ist. Es kann aber auch sein, dass ein Unternehmen aus Fusionsgründen oder anderen Umständen freie Schreibtische, Büroräume oder sogar ganze Etagen frei stehen hat. Diesen zusätzlichen Raum nicht zu nutzen, ist natürlich ungenutztes Potential und führt zu mehr Kosten als nötig. In solchen Fällen bietet es sich an, die ungenutzte Fläche unterzuvermieten bzw. die Möglichkeit des Office Sharings zu nutzen.

Die meisten der angebotenen Büros auf shareDnC sind bereits möbliert und verfügen über die wichtigste technische Ausstattung.

Kann ich über eure Plattform Büros auch tageweise mieten oder gibt es eine Mindestmietdauer? Wie flexibel sind die Verträge in Bezug auf eine Kündigung?

Norman: Die Mindestmietdauer beträgt einen Monat. Gekündigt werden kann sehr flexibel, nämlich jeweils zum Monatsende.

Für wen sind Shared Offices besonders geeignet? Welche Vorteile bieten flexible und gemeinschaftlich genutzte Büros? 

Norman: Office Sharing bietet sich besonders für alle Firmen an, die flexibel agieren müssen. Dazu gehören z.B. StartUps, Werbe- und Marketing-Agenturen, Berater*innen und IT-Firmen. 

Ein Shared Office stellt eine interessante Alternative gegenüber einem eigenen Büro oder Coworking dar. Bei einem eigenen Büro muss für sämtliche Kosten alleine aufgekommen werden. Außerdem besteht in aller Regel eine Bindung an einen festen Standort: Entweder wird über viele Jahre ein Büro angemietet oder direkt eine Büroimmobilie gekauft. Problematisch ist nur, dass ggf. noch viele Jahre die Bindung an einen solchen Mietvertrag besteht, auch wenn das Büro nicht mehr zum Bedarf der Firma passt. Zu den Mietkosten kommen noch die übrigen Nebenkosten, Wartungs- und Unterhaltungskosten. Diese werden bei einem Shared Office mit anderen geteilt. 

Worin genau unterscheidet sich »Office Sharing« von »Co-Working«?

Norman: Ein Shared Office unterscheidet sich mitunter deutlich von einem Coworking Space. Beide Büroformen überzeugen mit einer attraktiven Kostenstruktur. Das Coworking ist eine Anlaufstelle, die nicht langfristig angemietet werden muss. Dafür besteht in aller Regel kein Anspruch darauf, dass an jedem Tag derselbe Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Hier wird lediglich ein Schreibtisch mit der nötigen IT-Infrastruktur bereitgestellt. Keinesfalls ist es hier also möglich. die nicht bearbeiteten Akten vom Vorabend über Nacht liegen zu lassen. Diese Vorzüge bietet natürlich ein Shared Office. 

Obwohl ein Shared Office deutlich mehr Privatsphäre als z.B. Coworking bietet, da sich hier nur wenige Firmen ein Büro teilen, nutzen dennoch alle die Gemeinschaftsräume wie z.B. Küche und Meeting-Räume. Daher ist es für den Hauptmieter wichtig, passende Untermieter zu finden, so dass eine angenehme Atmosphäre im Büro gewährleistet ist. Der Untermieter profitiert dadurch von deutlich günstigeren Mietpreisen – bis zu 50% günstiger – als zum Beispiel beim Anmieten einen Business Centers oder die Nutzung von Coworking Spaces, da ein Shared Office darauf bedacht ist, die Kosten zu decken und nicht darauf, Gewinn zu erzielen.

Wie ist die Idee zur Gründung von shareDnC entstanden? 

Norman: Die Idee für shareDnC entstand aus dem unmittelbaren Bedarf an flexiblen Bürolösungen. Christoph, einer der drei Gründer, war einige Jahre Untermieter bei Christian, dem zweiten Gründer. Als bei beiden zum gleichen Zeitpunkt eine berufliche und damit räumliche Veränderung bevorstand, gestaltete sich die Suche nach passenden Büroflächen, die vor allem flexibel und nicht zu teuer sein sollten, für beide schleppend – obwohl es unzählige Unternehmen gibt, die zu viel Platz zur Verfügung haben und diesen gerne über eine Untervermietung monetarisieren würden. Es gab einfach keine Anlaufstelle für diese eigentlich gar nicht so speziellen Anforderungen.

Nach erfolgloser Suche landete der eine in einem teuren Business Center und der andere in einer Bürogemeinschaft mit langfristigem Mietvertrag. Danach war beiden klar: Es müsste eine Plattform geben, die zwei Probleme auf einmal löst - auf der einen Seite Unternehmen, die aktuell zu viel Platz haben, eine einfache und flexible Möglichkeit zur Monetarisierung dieser ungenutzten Flächen an die Hand zu geben, so dass die Kosten für Miete deutlich gesenkt werden können, bis sie die Kapazitäten selbst benötigen. Auf der anderen Seite soll für kleine Unternehmen der Zugang zu bezahlbaren und flexiblen Bürolösungen erleichtert werden.

So wurde shareDnCshare Desk and Coffee«) im Juli 2015 gegründet und betreibt die erste Plattform für die Untervermietung freier Arbeitsplätze und Büros in Deutschland.

Wie setzt sich euer Kernteam zusammen? Welchen fachlichen Hintergrund bringen die Gründer*innen mit?

Norman: Das Kernteam von shareDnC besteht aus drei erfahrenen Unternehmern. 

Philipp hat zunächst als Geschäftsführer eines Crowdsourcing-Dienstleisters und danach in leitenden Positionen bei zwei Rocket Internet-Ventures Erfahrungen beim Aufbau von Unternehmen gesammelt. 

Christian hat zuvor eine Online-Marketing-Agentur zum Marktführer aufgebaut. Seit 2014 entwickelt er neue Geschäftsmodelle und unterstützt nebenbei Gründer*innen und StartUps im Digitalbereich.

Der dritte im Bunde, Jay, war Private Equity Investment Manager und anschließend Gründer und Geschäftsführer des Bay Area Startups ShopCo, welches er Anfang 2018 verkaufte. Nach seinem Exit operierte Jay als Business Angel und als Fund Raising Advisor. Seit September 2018 ist Jay Teil der Geschäftsführung bei shareDnC.

Wie sieht euer Monetarisierungsmodell aus? Bezahlen die Mieter*innen oder Vermieter*innen die Kosten für euren Service?

Norman: Die Anbieter*innen der Büroräume zahlen eine Provision bei erfolgreicher Vermietung an uns. Für die Mieter*innen ist die Nutzung von shareDnC kostenlos.

Ihr habt euer Business kürzlich nach Österreich expandiert. Plant ihr, euch in Zukunft noch stärker international auszurichten?

Norman: Ja, im nächsten Schritt planen wir eine Expansion in weitere europäische Großstädte. 

Euer Geschäftsmodell trifft den Nerv der Zeit - immer mehr Menschen möchten freiberuflich, flexibel und/oder ohne räumliche Bindung arbeiten. Wie werden sich im Zuge von »New Work« die bisherigen, klassischen Arbeitsstrukturen wandeln?

Norman: Die Arbeit wird dezentraler und näher am Wohnort stattfinden, zudem wird es deutlich mehr Projektgeschäfte - auch in Großunternehmen - geben. Auch die Zahl der Gründer*innen wird steigen, wenn die Menschen mehr Zeit haben, das zu tun, was Ihnen wirklich Spaß bereitet.

Die Immobilienbranche wird durch eine zunehmende Anzahl innovativer PropTechs zurzeit kräftig aufgemischt. Wo besteht - neben der Vernetzung von Mieter*innen und Vermieter*innen - eurer Meinung nach in der Branche weiteres Potential für die Digitalisierung von Prozessen?

Norman: Bei der Digitalisierung von Gebäuden (Stichwort »Smart Buildings«). Das intelligente Gebäude der Zukunft ist mit ganzheitlichen, digitalen Lösungen ausgestattet, die von Unternehmen und öffentlichen Trägern dafür genutzt werden, um energieeffizient zu wirtschaften.

Neugierig geworden? Mehr Infos auf gibt es auf der Website von shareDnC.


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