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Foto© : Adeolu Eletu on unsplash.com
Entrepreneurship

Sidepreneurship - nebenberuflich Gründen: Tipps und Tricks, wie es auch bei dir klappt

von Robert Franzen, 6. Februar 2020 16:06
Nebenberuflich gründen liegt im Trend - vorteilhaft ist nicht nur, dass durch den Hauptberuf weiterhin die Existenz gesichert ist, die nebenberufliche Selbstständigkeit bietet einem zusätzlich die Möglichkeit auszuloten, ob einem das Gründertum überhaupt liegt. Nichtsdestotrotz gibt es auch hier einiges zu beachten, damit der Traum nicht schnell wieder platzt. Alles Wichtige für angehende »Sidepreneurs« lernst du hier.

Immer mehr Menschen träumen davon, sich irgendwann selbstständig zu machen, aus dem Hamsterrad auszubrechen und mit dem erfolgreich zu sein, für das das eigene Herz brennt. Neben der höheren Flexibilität und der Hoffnung auf einen finanziellen Push, locken zurzeit auch die guten Marktbedingungen und der wirtschaftliche Aufschwung der letzten Jahre.

Auch wenn die Deutschen in der Vergangenheit eher als gründungsfaules Volk bekannt waren, lässt sich das mittlerweile nicht mehr so sagen. Auch wenn andere Nationen immer noch weitaus gründungsfreudiger sind, wagen immer mehr Menschen den Weg in die Selbstständigkeit - Männer übrigens weitaus häufiger als Frauen. 

Oft ist es aber so, dass viele der Gründungen nicht durchgezogen werden, weil einerseits der Bürokratieaufwand zu hoch ist, andererseits die gute Konjunktur und der Fachkräftemangel viele Hochschulabsolvent*innen erst einmal in die Festanstellung lockt. Dies muss aber nicht unbedingt ein Ausschlusskriterium für eine Gründung sein - ganz im Gegenteil. 

Das Zauberwort heißt hier »Sidepreneurship«, also nebenberufliches Unternehmertum. Dieses bietet die Möglichkeit, sich nicht direkt ins kalte Wasser zu schmeißen, sondern seine Gründung nach und nach zu planen und dabei immer eine sichere Einnahmequelle zu haben - gerade für Gründer*innen mit Familie oft ein entscheidendes Kriterium. So ist man nicht gezwungen, seine komplette Zeit, Energie und sein Vermögen zu investieren, damit es auch ja schnell mit der Selbstständigkeit klappt. Kein Wunder also, dass mittlerweile über die Hälfte aller Gründungen nebenberuflich geschehen. 

Jedoch sollte man trotzdem realistisch bleiben und immer bedenken, dass die allermeisten Unternehmen keine Selbstläufer sind, sondern dass auch hier viel Arbeit, Disziplin und Herzblut nötig sind, damit das zweite Standbein ein Erfolg wird. Neben diesen persönlichen Grundvoraussetzungen gilt es aber auch noch, rechtliche Vorgaben und Rahmenbedingungen zu beachten. 


Foto© : Daria Nepriakhina on unsplash.com


Damit auch bei dir das nebenberufliche Gründen ein Erfolg wird, hier ein paar Tipps, wie es klappen kann:


Nebenberufliche Selbständigkeit - Was heißt das überhaupt? 
 

Im Grunde genommen bedeutet nebenberuflich selbstständig zu sein nichts anderes, als dass deine Tätigkeit bzw. dein Unternehmen nicht dein Arbeits- und Einkommensmittelpunkt darstellen darf. Das heißt also, es gibt mehr oder weniger nur zwei Kriterien - Zeit und Geld - die bestimmen, ob du einer nebenberuflichen Tätigkeit nachgehst oder nicht. Dies bedeutet konkret, dass deine Einnahmen nicht die deines Hauptberufes übersteigen und du nicht mehr als 18 Stunden die Woche für dein zweites Standbein aufwenden darfst. Rechtlich gesehen darfst du zudem keine Angestellten beschäftigen. Sollte dies der Fall sein, verwandelt sich deine nebenberufliche Tätigkeit in eine hauptberufliche, wodurch sich vor allem versicherungstechnisch einige Probleme auftun können. Hier solltest du dich auf jeden Fall gründlich informieren


Zeit ist Geld - so auch bei der Gründung

Bevor du dich allerdings dazu entscheidest, dich nebenberuflich selbstständig zu machen, solltest du erst einmal prüfen, ob deine Ideen und Pläne, so wie du sie dir vorstellst, überhaupt in einer nebenberuflichen Tätigkeit zu realisieren sind. Oft scheitern Neugründungen nämlich daran, dass sie nicht mit dem nötigen Einsatz vorangetrieben werden können, der für sie benötigt wird - Grund dafür ist nicht zuletzt der Faktor Zeit.

A und O ist hier die gute Planung. Auch als nebenberufliche*r Gründer*in ist es sinnvoll, sich einen Businessplan zu erstellen, vor allem weil du so zwangsläufig deine Geschäftsidee besser durchdenkst und dir über die besten Strategien Gedanken machst. Auch als Bewertungsgrundlage für Investor*innen, Fördergeldern oder Kooperationspartner*innen macht sich ein Businessplan gut. In ihm sollte deshalb aufgeführt werden, welche Produkte/Dienstleistungen du anbietest, welche Zielgruppe du im Sinn hast, wie der Markt strukturiert ist, in den du einsteigen willst, welche Strategien die Konkurrenz verfolgt und wie du dich davon absetzen willst (dein Alleinstellungsmerkmal). Ein Finanzplan ist zudem ein integraler Bestandteil jedes Businessplans. In ihm führst du auf, wie sich der Umsatz in den ersten drei Jahren nach dem Start voraussichtlich entwickeln wird, wie viel davon nach Abzug der Kosten übrig bleibt, wann der berühmte Break-even-Point (Zeitpunkt, wo Produktionskosten und Einnahmen gleich sind) erreicht wird, wie viel Geld du brauchst (Kapitalbedarf) und wie du deine Zahlungssicherheit sicherstellst (Liquiditätsplanung). Im Laufe der Zeit kannst du ihn je nach Bedarf immer wieder anpassen, solltest ihn aber nicht komplett über den Haufen werfen (außer er ist Murks). Darüber hinaus solltest du dich auch mit Themen wie Marketing und Sales, vor allem aber mit dem Thema »Personal Branding« beschäftigen. Dies ist gerade für Selbstständige ein enorm wichtiger Faktor, der oft unterschätzt wird.  
 

Foto ©: StartupStockPhotos on pixabay.com


Sag deinem Chef Bescheid 

Solltest du allerdings einer Tätigkeit nachgehen (wollen), die einen eher geringen Vorbereitungsaufwand benötigt (z.B. eine freiberuflichen Tätigkeit), fallen viele der vorherigen Punkt mehr oder weniger weg, es gilt dann trotzdem, einige Dinge zu beachten: Z.B. darfst du deinem/deiner Arbeitgeber*in mit deiner Tätigkeit keine Konkurrenz machen, oder gar Kund*innen oder Aufträge wegschnappen. Dies kann ganz schnell zur Kündigung führen und dein sicheres Einkommen ist futsch - genauso wie dein Ruf. Sowieso solltest du deine*n Arbeitgeber*in unbedingt über deine nebenberufliche Selbstständigkeit informieren bzw. überhaupt erst einmal in deinem Arbeitsvertrag nachgucken, ob dieser eine solche Tätigkeit zulässt. Lautet die Antwort ja, dann steht deinem zweiten Standbein nichts mehr im Wege. 


Vor dem Gesetz sind alle gleich 

Dennoch bedeutet eine nebenberufliche Selbstständigkeit nicht, dass damit auch weniger bürokratischer Aufwand verbunden ist. Auch wenn es durch den Namen erst einmal so klingen mag, ist diese keine »light«-Version der hauptberuflichen Selbstständigkeit. In vielen Punkten macht es im Endeffekt keinen Unterschied, ob du neben- oder hauptberuflich gründest. Dazu gehören vor allem die Anmeldung beim Finanz- oder Gewerbeamt, Steuern, die du zu zahlen hast oder bestimmte Genehmigungen und Konzessionen, die du für die Aufnahme deines Gewerbes brauchst. Zudem solltest du gucken, ob deine Tätigkeit unter die »Freien Berufe« fällt, denn dann genügt eine formlose Anmeldung beim zuständigen Finanzamt. Darunter fallen u.a. Rechtsanwält*innen, Architekt*innen, Wirtschaftsprüfer*innen, Heilpraktiker*innen, Journalist*innen, Dolmetscher*innen und ähnliche Berufe. Gemeinsames Kennzeichen der Freien Berufe ist, dass sie auf Grundlage einer besonderen Ausbildung oder schöpferischen Begabung ausgeübt werden. Sie sind von vielen bürokratischen Nachweispflichten entlastet und nicht gewerbesteuerpflichtig. Jedoch solltest du gucken, ob man eventuell branchenspezifischen Kammern beitreten muss. 

Solltest du einem Gewerbe nachgehen, solltest du darauf achten, ob bei dir die Kleinunternehmerregelung greift. Je nach Branche könnte es darüber hinaus sinnvoll sein, sich mit einem Fachmann bzw. einer Fachfrau zu unterhalten, ob eine solche überhaupt Sinn macht. Denn auch wenn diese Regelung anfänglichen Aufwand erspart, könnte es auf lange Sicht aber teurer werden als gewollt.  


GbR, GmbH oder doch lieber etwas anderes?

Außerdem solltest du dir darüber Gedanken machen, welche Rechtsform dein (zukünftiges) Unternehmen haben soll. Als Freiberufler*in fällt dieser Schritt weg, aber für alle anderen heißt es: informieren, denn von der Rechtsform hängt ab, wie dein Unternehmen besteuert wird, welche Buchhaltungspflichten bestehen und wie Fragen der Haftung und der Mitsprache im Unternehmen geregelt sind. 

Die einfachste Lösung als nebenberufliche*r Selbständige*r wäre es, mit einem Einzelunternehmen zu starten. Dies ist im Endeffekt die einfachste Lösung, die gleichzeitig auch am unbürokratischsten ist, denn es reicht hierbei die Anmeldung beim Finanz- bzw. Gewerbeamt. Möchtest du dich mit einem/einer oder mehreren Partner*innen zusammentun, kann es sinnvoll sein, eine GbR, also eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts, zu gründen. Bei dieser braucht ihr weder Startkapital noch eine schriftliche Vereinbarung. Um Konflikten vorzubeugen, solltet ihr aber unbedingt einen Gesellschaftervertrag aufsetzen, in dem ihr Angelegenheiten wie Gewinne und Verluste sowie Arbeitsaufgaben untereinander aufteilt. Am besten lasst ihr euch da aber von einem Anwalt bzw. einer Anwältin oder - noch besser - von einem/einer Notar*in beraten. 

Je nach Geschäftsmodell kommt aber eventuell auch eine GmbH, also eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung, in Frage - auch für Einzelpersonen. Diese ist allerdings etwas aufwändiger und man benötigt ein Startkapital von mindestens 25.000 Euro. Vorteil: man haftet nicht mit seinem gesamten Privatvermögen. Jedoch unterliegt sie bestimmten Bilanzierungspflichten und ist immer gewerblich ausgerichtet. 

Deswegen entscheiden sich viele auch für eine etwas mildere Form, die Unternehmergesellschaft, kurz UG. Hier sind die Gründungsformalitäten nicht so kompliziert und die Startkapitalvorgaben nicht so hoch. Theoretisch könnte man schon mit einem Euro gründen und über die Zeit hinweg seine Rücklagen aufstocken. Auch hier gilt allerdings eine Bilanzierungspflicht. 


Checke alle Versicherungen

Eine gute Nachricht direkt vorab: Wer nebenberuflich selbstständig ist, braucht keine (zusätzlichen) Sozialversicherungen zu zahlen. Allerdings solltest du dich unbedingt mit deiner Krankenkasse in Verbindung setzen, da das Entgelt aus der nebenberuflichen Selbstständigkeit ebenfalls für den Beitrag berücksichtigt wird. Gegebenenfalls müssen also Anpassungen gemacht werden, damit du eventuelle Nachzahlungen vermeidest. Auch als Studierende*r solltest du dich mit deiner Krankenkasse in Verbindung setzen und gucken, ob und wie sich dein Beitrag ändert. 

Foto© : StartupStockPhotos on pixabay.com


Aller Anfang ist schwer

Auch wenn die ganzen Themen, die man anfänglich beachten muss, durchaus überwältigend erscheinen können, sollte man sich von ihnen nicht entmutigen lassen. Wer wirklich ernst machen will, dem kann es durchaus helfen, sich coachen zu lassen, Seminare zu besuchen oder zu gucken, ob man an Wettbewerben teilnehmen möchte, die oft auch Mentor*innenprogramme beinhalten. Hier stehen einem viele Möglichkeiten zur Verfügung. Coworking Spaces (z.B. der Startplatz in Köln) haben manchmal sogar hausinterne Accelerator-Programme, die junge Gründer*innen auf vielseitige Weise unterstützen, sowohl personell als auch finanziell. Auch sonst bieten Coworking Spaces neben einem Platz zum Arbeiten zudem Netzwerkmöglichkeiten und gute Verbindungen in die Startup-Szene. Schaue hier auch gerne mal bei unserer Übersicht der Kölner Coworking Spaces vorbei.   


Trau dich 

Eine gute Portion Mut, Durchhaltevermögen und Motivation gehören zum nebenberuflichen Gründen also genauso dazu wie deine fachlichen Kenntnisse und Fähigkeiten - und selbst wenn es am Anfang nicht direkt so klappen mag, wie du dir das vorstellst, ist morgen auch noch ein anderer Tag, an dem du die Sachen besser machen kannst. Oder um es in den Worten Winston Churchills zu sagen: »Erfolg bedeutet von Niederlage zu Niederlage zu marschieren ohne seinen Enthusiasmus zu verlieren«. Wenn du dich gut vorbereitest und realistisch mit deinen Zielen und deiner Idee bist und hartnäckig weiter eiferst, bis es wuppt, dann sollte es mit dem Erfolg auch nicht lange auf sich warten lassen. In diesem Sinne: frohes Schaffen!


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