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Interview mit Jonas Becher von »Masasana AI«

Eine Allround-KI für alle Branchen: Startup »Masasana AI« optimiert Geschäftsprozesse mit eigener Machine Learning-Software

von Charlotte Clarke, 29. Oktober 2019 07:20
Elefanten wird ein herausragendes Gedächtnis nachgesagt. Inspiriert von einem afrikanischen Dickhäuter namens »Masasana« gründet Jonas Becher sein eigenes Startup. Die Idee: Eine eigene KI, die unterschiedlichste Geschäftsprozesse über alle Branchen hinweg individuell optimieren kann und dank Machine Learning mit jeder Aufgabe immer besser wird. Mehr zum Konzept im Interview mit dem Gründer und CEO von »Masasana AI«.

Mit deinem Startup Masasana AI entwickeln du und dein Team aus Software-Consultants maßgeschneiderte Lösungen zur Optimierung geschäftlicher Prozesse. Was genau ist das Besondere an eurem Konzept?

Jonas Becher: Software-Consultants gibt es viele am Markt, jedoch gibt es fast keine Firmen, die sich auf die Geschäftsprozessoptimierung mit Hilfe von künstlicher Intelligenz spezialisiert haben. Wir wissen um das Potenzial dieser Technologie und wollen sie in deutsche Unternehmen bringen.

Wie seid ihr auf den ungewöhnlichen Namen für euer Startup gekommen? Hat er eine spezielle Bedeutung?

Jonas: Masasana AI bezieht seine Inspiration durch einen Elefanten aus dem Krueger-Nationalpark in Südafrika. Dieser ist auch der Namensgeber für unser Startup. »Masasana« ist nämlich Tsonga und bedeutet übersetzt: »One can always make a plan«.

Eure eigens entwickelte KI trägt den liebevollen Spitznamen »MAI«. Kannst du uns ein paar konkrete Beispiele nennen, wo MAI bereits erfolgreich zum Einsatz kam?

Jonas: MAI (»Masasana Artificial Intelligence«) ist die Grundlage unseres Geschäfts und wächst mit jedem Projekt und jeder neuen Aufgabe. MAI erlaubt es uns schon heute, Betrüger oder insolvente Kund*innen während eines Check-Out-Prozesses zu identifizieren oder Unternehmen zu unterstützen, indem wir mit Hilfe intelligenter Chatbots ihren Aufwand für den Support minimieren. Zudem bringen wir MAI aktuell das Sehen bei. Das Gesehene kann anschließend analysiert und weiterverarbeitet werden. Zudem experimentieren wir mit NLU (»Natural Language Understanding«) und wollen MAI beibringen, Texte zu verstehen und diese zu bewerten.

Wo liegen deiner Meinung nach die Grenzen von KI bzw. gibt es Prozesse, die nicht automatisiert werden können? Bei welcher Art von Aufgaben ist biologische Intelligenz vermutlich nicht zu schlagen?

Jonas: Bei der KI-Forschung stehen wir aktuell noch ganz am Anfang und können noch nicht vorhersagen, wie sich eine tatsächliche Superintelligenz entwickeln wird. Sicher ist jedoch, dass die Arbeitswelt, wie wir sie kennen, sich grundlegend verändern wird. So wird sicherlich die Mehrheit der Anwält*innen, die aktuell beschäftigt sind, überflüssig, da schlichtweg sämtliche Dokumente von KIs gesichtet und eingestuft werden können. Vom Sicherheitswachmann bzw. der -wachfrau bis hin zum/zur Maler*in könnten einige Jobs wegfallen, bei denen zurzeit eine Automatisierung schlichtweg zu teuer ist. Dies wird sich jedoch schlagartig ändern, sobald sich die Technik weiterentwickelt hat.

Wie setzt sich euer Kernteam zusammen? Welchen fachlichen Hintergrund bringen die Gründer*innen mit?

Jonas: Gegründet habe ich alleine, weswegen ich auch den Namen Masasana so passend fand. Bei der Entwicklung von MAI unterstützt mich mein Chefentwickler Tobias Freund. Er ist auch dafür zuständig, die Teams in der Entwicklung zu koordinieren und Kernprojekte weiter voranzutreiben. Da wir immer weitere Projekte vorantreiben wollen, sind wir immer auf der Suche nach KI-Entwickler*innen, die unsere Philosophie teilen.

Gibt es besondere Kenntnisse oder sonstige Skills, die du dir im Zuge der Gründung erst noch aneignen musstest? Nach welchen Kriterien entscheidest du bei fachfremden (oder lästigen) Aufgaben zwischen »selber machen« oder besser doch »machen lassen« (z.B. durch externe Dienstleister)?

Jonas: Grundlegende Kenntnisse in der Buchhaltung waren schon nötig und mit der Einarbeitung in die entsprechenden Programme habe ich gleich am Anfang begonnen. Im Wesentlichen habe ich mich jedoch darauf konzentriert, unsere Kerntätigkeit weiter auszubauen. Bei Fragen rund um Design, Marketing, Webauftritt und Co. habe ich mir direkt zu Beginn Expert*innen gesucht, die mich entlasten können.

Bei eurer Arbeit erhaltet ihr oft Einblicke und Zugriff auf hochsensible Daten. Was war eure Strategie, um das Vertrauen potenzieller Kund*innen zu gewinnen und erste Aufträge an Land zu ziehen? 

Jonas: Datenschutz ist einer der wichtigsten Punkte in der heutigen Zeit und wir versprechen unseren Kund*innen, ihre Daten so zu behandeln, wie es sich gehört. Wir betreiben sämtliche Infrastruktur in Deutschland und haben ein ausgewogenes Sicherheitskonzept entwickelt. In den vergangenen Monaten haben wir z.B. eine Zertifizierung nach ISO 27001 sowie dem PCI-DSS Standard vorbereitet. Besonders letztgenannter Standard, welcher die Speicherung und Verarbeitung von Kreditkartendaten behandelt, zeigt, auf welchem Level wir uns bewegen wollen. Daten, die wir erhalten, bleiben weiterhin im Besitz der Kund*innen!

Gibt es einen Erfolg, auf den du besonders stolz bist?

Jonas: Ein besonderer Moment war, als MAI nach vielen Monaten der Vorbereitung die ersten Lebenszeichen von sich gegeben hat. Das war das erste Mal, dass wir ein Feedback von unserem System erhalten haben. Ein bisschen habe ich mich gefühlt wie ein Vater, der das erste Mal sein Neugeborenes auf seinen Armen trägt.

Die gesellschaftliche Debatte um Künstliche Intelligenz wird sehr kontrovers geführt. Welche (politischen und/oder wirtschaftlichen) Rahmenbedingungen müssen geschaffen werden, damit derartige Technologien in erster Linie sinnvoll, sicher und im Sinne des Gemeinwohls eingesetzt werden?

Jonas: Persönlich bin ich ein Freund von staatlichen Vorgaben in diesem Bereich. Allerdings bedingt dies auch, dass unsere Politik Gremien schafft, welche in der Lage sind, deutlich schneller zu agieren als es aktuell der Fall ist. Alleine die schiere Anzahl an ethischen Fragestellungen wird aktuell noch viel zu wenig diskutiert und viel zu wenige Unternehmen sehen sich hier in der Pflicht, Vorsorge zu treffen. Wir sind ein großer Fan der Arbeit des KI Bundesverbands, welcher in Deutschland ein Vorreiter rund um KI-Fragestellungen ist und in Deutschland eine Ausnahme bildet.

Und zu guter Letzt: Welchen Tipp würdest du Menschen, die ein digitales Startup gründen wollen, mit auf den Weg geben?

Jonas: Lasst Euch nicht verunsichern. Nicht jede*r kann Finanzprofi sein und nicht jede*r ein Marketing-Genie. Das muss auch nicht sein. Vergesst zudem bei allem, was Ihr macht, nicht den Blick nach außen. Es bringt niemandem etwas, wenn ihr ein super Produkt habt, das leider niemand benötigt.



Mehr über das Startup erfährst du auf der Website von Masasana AI.


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